Mannheimer Jungbusch: Neue Anlauf- und Beratungsstelle für Bulgaren und Rumänen eröffnet
Von Manfred Ofer
Mannheim. Neue Wege einschlagen will die Stadt in Sachen Arbeitsvermittlung und Integration im Jungbusch. Eine wichtige Rolle kommt dabei einem von Grund auf sanierten Gebäude in der Beilstraße zu, das vor wenigen Tagen übergeben wurde. Der neue "Treffpunkt für Arbeit und Qualifikationen" (TAQ) soll als Anlauf- und Beratungsstelle für Migranten aus Rumänien und Bulgarien dienen. Er ist Teil des Projekts "Qualifizierung und Integration von Zugewanderten in Mannheim" (Quizma), das die Stadt zusammen mit den Arbeitsförderungsbetrieben Mannheim gGmbH (Biotopia) und dem Jobcenter betreibt.
"Unser Ziel ist es, die Integration der Menschen aus diesen Ländern in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu fördern und deren Chancen auf Beschäftigung zu verbessern", machte Sozialbürgermeister Michael Grötsch bei einem Pressegespräch deutlich. Er fand lobende Worte für das sichtbare Ergebnis der Renovierung. "Die helle und freundliche Atmosphäre der Räume wird sich sicherlich positiv auf die Ratsuchenden und Mitarbeiter auswirken", bemerkte er.
In Bezug auf die Angebote, die vor Ort unterbreitet werden sollen, hob Grötsch die Notwendigkeit von individuellen Konzepten für die stadtteilbezogenen Herausforderungen hervor. Wichtig seien in diesem Zusammenhang Hilfen zur beruflichen Qualifizierung für eine heterogene Personengruppe.
Durch oft fehlende Sprachkenntnisse, der Rechtslage und über die bestehenden Zugänge zum Arbeitsmarkt seien diese Menschen besonders gefährdet, in eine Abhängigkeit von Schleppern zu geraten. Das gelte es zu verhindern. Begünstigt würde der Missbrauch auch durch die geringe bis nicht vorhandene Schul- und/oder Ausbildung bei einem Teil dieser Menschen. Deshalb sei die Bildung von konstruktiven Bezugsstrukturen notwendig. Wie bei der Jobbörse Jungbusch wolle man gezielt Muttersprachler einbeziehen, die bei der Integration ihrer Landsleute helfen.
Mannheim gehört zu den Städten, in die verhältnismäßig viele Menschen aus Rumänien und Bulgarien einwandern. Die Rede ist von rund 12.000 Personen, die in der Quadratestadt leben. Im neuen Treffpunkt sollen Sprachtraining, Jobvermittlung und Auskünfte, die zur persönlichen Vernetzung der Migranten im Jungbusch und den angrenzenden Stadtteilen beitragen, möglichst zielgruppengerecht erfolgen. Vor diesem Hintergrund wurde an der Beilstraße unter anderem ein "Servicepoint" mit besagten muttersprachlichen Hilfsangeboten eingerichtet.
Bei weitergehendem Unterstützungsbedarf besteht die Möglichkeit, an einen Integrationsbegleiter vermittelt zu werden. Mit der noch im Aufbau befindlichen Stadtteilwerkstatt in F 7 findet demnach schon eine Erweiterung der Möglichkeiten statt. Die Resonanz vonseiten der zugewanderten Menschen sei, wie Biotopia-Geschäftsführerin Sabine Neuber bestätigte, erfreulich hoch. "Künftig werden wir sieben Mitarbeiter in F 7 und an der Beilstraße in diesem Kontext einsetzen können", stellte sie fest.
Jens Hildebrandt sah in der neuen Einrichtung "eine wertvolle Ergänzung" zur bestehenden Jobbörse im Jungbusch. "Die durch den neuen Treffpunkt angebotenen Qualifizierungsmaßnahmen stellen eine wichtige Voraussetzung für die Vermittlung in legale Arbeitsverhältnisse dar", sagte der Geschäftsführer des Mannheimer Jobcenters. Die aktuelle Förderperiode von Quizma wird unter anderem durch Mittel des Bundes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) in Höhe von knapp zwei Millionen Euro unterstützt.