Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald: Für Urlauber gibt es zu wenig Betten
Von Hans Georg Frank
Heilbronn/Stuttgart. Günstiger könnte die Lage unweit der Ballungszentren Stuttgart und Heilbronn nicht sein. Schon nach kurzer Fahrt ist im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald ein Landstrich erreicht, den Richard Sigel als "Vielfalt auf kleinem Raum" beschreibt. Der Landrat des Rems-Murr-Kreises ist Vorsitzender des Naturparkvereins. Die Besucher sollen künftig länger bleiben. Deshalb wird jetzt an einem Konzept für nachhaltigen Tourismus gefeilt. Dabei müssen auch hohe bürokratische Hürden überwunden werden.
Auf dem 1270 Quadratkilometer großen Gebiet hat der Tourismus, also der mehrtägige Aufenthalt, noch eine geringe Bedeutung. "Die Naherholung spielt mit großem Abstand die wichtigste Rolle", erklärt Bernhard Drixler, Geschäftsführer des Naturparks, der vor 40 Jahren unter Schutz gestellt wurde. Mehrere Übernachtungen buchten vor allem mobile Monteure: "Echte Urlauber sehe ich bei uns nicht viele."
Von "Overtourism" ist der Schwäbische Wald weit entfernt. "Man kann hier noch immer stundenlang wandern und keinen anderen Menschen begegnen", weiß Drixler aus Erfahrung. Von jeher sei "sanfter Tourismus" propagiert worden. "Wir wollen nur langsam wachsen, aber vielleicht geht es doch zu langsam", gibt der gelernte Förster zu bedenken.
Eine effiziente Infrastruktur habe sich nicht flächendeckend entwickelt. Es fehle vielerorts an Hotels, selbst Pensionen oder Ferienwohnungen seien Mangelware: "Es ist kaum machbar, 100 Betten für zwei Tage in einem Ort zu finden." Wenige große und attraktive Herbergen wie das "Raitelberg Resort" in Wüstenrot mit 70 Zimmern oder das neue "Panoramahotel" in Waldenburg mit 120 Zimmern seien stark nachgefragt. Drixler hofft, dass in zehn, spätestens zwanzig Jahren in jeder der 48 Mitgliedsgemeinden "gute Übernachtungsmöglichkeiten mit mindestens 50 Betten" angeboten werden könnten: "Dann wäre dies gezielte Nachhaltigkeit."
Doch wer heute bereits dem Vorschlag des Landrats folgt und sein "persönliches Glück in Wanderschuhen oder auf dem Fahrrad" finden möchte, bringt am besten die Verpflegung selber mit. In immer mehr Dörfern sei das einzige Wirtshaus geschlossen, bedauert Drixler: "Das ist ein echtes Problem."
Die Vermarktung als Erholungsgebiet und Urlaubsregion teilten sich zehn Organisationen, die sich nicht immer einig seien. "Es ist wie ein Bermuda-Dreieck der Zuständigkeiten", klagt Drixler. Seiner Ansicht nach sollte zügig "das große Dach" entstehen, anstatt weitere kleinteilige Einheiten zu entwickeln. Der Fachmann ist wenig erfreut über lokale Aufsplitterungen.
Denn auch Drixler weiß, dass die Chancen für einen naturgemäßen Tourismus der kurzen Wege nie so gut standen wie heute. Die Klimadebatte und die zunehmende Kritik an Flugreisen machten Nahziele wie den Naturpark attraktiver. Vielfältige Angebote gibt es zuhauf. Schon jetzt erleben 35 Naturparkführer großen Zulauf. Zu jährlich 900 Terminen kommen 30.000 Interessenten. "Das ist der Hammer", begeistert sich Drixler.
Freilich wäre es durchaus hilfreich, wenn die Destination mindestens allgemein verständlich benannt werden könnte. Deshalb ist der Experte auch unzufrieden mit der Namensgebung des Naturparks: "Fränkisch ist natürlich irritierend, das ist ein Riesenhemmnis." Wenn demnächst eine neue Rechtsverordnung formuliert werden muss, will der Geschäftsführer eine "Öffnungsklausel" für eine spätere Streichung des Zusatzes "Fränkisch" einfügen. Doch dagegen sträubten sich die Kommunen in den Landkreisen Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Heilbronn.