Kommunalwahl Region Schwetzingen: "Enthaltungskönig" raus, Fasnachter rein
Von Harald Berlinghof
Schwetzingen/Hockenheim/Plankstadt. Das kann ja lustig werden. In der Ukraine haben sie mit Wolodymyr Selenskyj einen Komiker zum Präsidenten gewählt - und Schwetzingen einen eingeschworenen Fasnachter als Gemeinderat. Ob auf dem Weihnachtsmarkt, beim Spargelfest oder der Prunksitzung der Schwetzinger Carnevals Gesellschaft (SCG): Peter Lemke ist stets wortgewaltig präsent.
Seit dem Rücktritt von Raquel Rempp saß er als Nachrücker für die Schwetzinger Freien Wähler (SFW) am Ratstisch. Aber dass er nicht in den Rat gekommen ist, um Büttenreden zu halten, bewies schon seine Antrittsrede.
Einige "Urgesteine" der Kommunalpolitik sind jedoch nicht mehr in den Räten vertreten. Bei den Freien Wählern in Hockenheim war zum Beispiel Polizeihauptkommissar a.D. Klaus Zizmann nicht mehr angetreten. Gleiches gilt für Sigrid Schüller von der Grünen Liste Plankstadt. Als Nachfolgerin für den kürzlich verstorbenen Schwetzinger Stadtrat Hans-Joachim Förster tritt Susanne Bertrand-Baumann als Nachrückerin in den bisherigen Gemeinderat ein. Die Bürger haben sie allerdings auch in den neuen Rat gewählt. Ulf-Udo Hohl von der Alternativen Liste Plankstadt (ALP) schaffte den Einzug ins Kommunalparlament nicht. Er war trotz gesundheitlicher Probleme noch einmal für die von ihm gegründete Partei angetreten.
In den vergangenen Jahren war Hohl mit Abstand der "Enthaltungskönig" im Plankstadter Gemeinderat. Seine Enthaltungen bei fast allen Tagesordnungspunkten sind heute schon legendär. Von den Wählern wurde er dafür allerdings nicht belohnt, denn Fundamentalkritik kommt dort meist nicht gut an.
Die ALP verlor ihre beiden bisherigen Sitze und ist künftig nicht mehr im Rat vertreten. Auch prominente Politiker blieben bei dieser Wahl auf der Strecke, etwa der Landtagsabgeordnete Daniel Born (SPD). Er war für den Schwetzingen Ortsverein angetreten.
Das "Küken" unter den Räten findet man im Schwetzinger Gemeinderat. Die 26-jährige Sarina Kolb (CDU) sitzt aber schon seit fünf Jahren im Rat und ist keine kommunalpolitische Anfängerin mehr. Zuvor war Weihua Wang (Grüne) in der vergangenen Wahlperiode die jüngste im Gremium gewesen. Sie schied nun aus dem Gemeinderat aus.
Adolf Härdle (Grüne) hat mittlerweile das stolze Alter von 67 Jahren erreicht. "Aber ich war 1980 mit 29 Jahren im Hockenheimer Gemeinderat der Jüngste im Gremium", erinnert er sich mit Wehmut.
Ein besonderes Augenmerk gilt den Stimmenkönigen. In Hockenheim hat das erneut Gabi Horn (Freie Wähler) geschafft. Sie zieht dieses Mal mit 8205 Stimmen ins Gremium ein. In Schwetzingen holte Elfriede Fackel-Kretz-Keller (SFW) - in Anlehnung an AKK liebevoll FKK genannt - die meisten Stimmen. Und in Plankstadt konnte Hans-Peter Helmling die meisten Wähler überzeugen.