"Große Lösung" gekippt: Hirschhorner Stadtverordnete für "Ein-Drittel-Aufstockung" des Kindergartens
Hirschhorn. (MD) Verabschiedet hat sich die Stadtverordnetenversammlung in ihrer jüngsten Sitzung in der Mark-Twain-Stube von der "großen Lösung" zum Umbau und der Erweiterung des Kindergartens in der Klingenstraße.
Die sollte die Erweiterung um zwei auf dann sechs Gruppen umfassen und gut 1,7 Millionen Euro kosten. Dazu sollte es Zuschüsse von 650.000 Euro geben. Das Gremium beschloss die Maßnahme Ende Januar.
Doch schon bald zeichnete sich ab, dass das Projekt aufgrund klammer Kassenlage so nicht zu realisieren ist. Verschiedene weitere Möglichkeiten wurden durchgespielt.
Letztlich kam man zunächst überein, dass eine "kleine" Lösung mit Beibehaltung der vorhandenen vier Gruppen und Kosten von 713.000 Euro umgesetzt werden soll. Dafür sollten 150.000 Euro Zuschüsse fließen. Das Dach sollte dabei nur um ein Drittel aufgestockt werden.
Schließlich präsentierte Stadtbaumeister Detlef Kermbach in der vorletzten Stadtverordnetenversammlung eine weitere Lösung, die als "Variante 4" bezeichnet wurde. Die sollte zwar auch nur vier Gruppen beherbergen können, aber gut eine Million Euro kosten.
Unverändert wäre es dabei bei Zuschüssen von 150.000 Euro geblieben. Allerdings hätte man sich dadurch Möglichkeiten einer späteren "Vollaufstockung" des Dachgeschosses offengehalten. Falls beispielsweise die Kinderzahl wieder mal stark ansteigen sollte und man entsprechenden Bedarf an weiteren Plätzen hätte.
Die Treppe zum Obergeschoss war dabei in der Gebäudemitte angeordnet. Die Mehrkosten und die Tatsache, dass teilweise Zahlen nicht ganz mit vorherigen Berechnungen verglichen werden konnten, stießen in dieser Sitzung bei einigen Stadtverordneten auf großen Unmut.
In der aktuellen Sitzung des Gremiums präsentierte Kermbach eine weitere Variante. Die wurde vom Arbeitskreis Kindergarten, dem neben Verwaltungsmitarbeitern, Stadtverordneten und Kindergartenmitarbeiterinnen auch Eltern angehören, erstellt. Diese "Variante 5" entspricht in etwa der "Variante 4", wie Kermbach auf Nachfrage bestätigte. Allerdings mit deutlichem "Abspecken". Kosten soll das Ganze nun 768.000 Euro, wozu Fördergelder in unveränderter Höhe von 150.000 Euro fließen sollen. An der Stadt bleiben bei dieser Lösung also rund 620.000 Euro hängen.
Mit dem so umgesetzten Grundriss wäre eine nachträgliche Aufstockung des restlichen Obergeschosses für bis zu zwei weitere Gruppen möglich. Die Finanzabteilung der Stadt hatte in ihrer Stellungnahme zu der 5. Variante darauf hingewiesen, dass damit die Investitionskosten um gut 55.000 Euro in die Höhe gingen und sich die Folgekosten um mindestens knapp 3500 Euro jährlich steigerten.
Heftig wurde über den neuen Vorschlag diskutiert. "Gegen die Variante 5 gibt’s keine Einwände in unserer Fraktion", sagte Profil-Sprecher Martin Hölz. Max Weber (SPD) erkundigte sich, wie lange man an das Ergebnis einer Ausschreibung gebunden sei. Da gebe es Bindefristen in der Vergabeordnung für Bauleistungen (VOB), erläuterte Detlef Kermbach. Man könne eine Ausschreibung aber auch aufheben.
Thomas Wilken (SPD) wollte wissen, ob durch die damit erhöhten Folgekosten eine Erhöhung der Grundsteuer drohe. Die stehe zwar im Raum, sagte Bürgermeister Oliver Berthold, "aber nicht nur wegen des Kindergartens". Harald Heiß (CDU) wies darauf hin, dass jeder Kreditbedarf der Stadt einer Einzelgenehmigung des Regierungspräsidiums bedürfe. Bei Pflichtaufgaben kriege man die unproblematisch, antwortete Berthold.
Schließlich wurde einstimmig der Januar-Beschluss mit der "großen" Lösung gekippt und sich bei Gegenstimme von Thomas Wilken für eine Vergrößerung der Räumlichkeiten durch "Ein-Drittel-Aufstockung unter Beibehaltung der vier Gruppen, bei einer zu erwartenden Förderung von 150.000 Euro" ausgesprochen.
Eine finanzielle Höhe der Maßnahme wurde nicht festgeschrieben. Zudem wurde beschlossen, im Kindergarten Langenthal eine neue Gruppe einzurichten.