Heidelberg: Darum gibt es Zweifel am Umbau der Stadthalle
Von Denis Schnur
Heidelberg. Wird die Stadthalle aufwendig umgebaut? Die Gemeinderäte im Haupt- und Finanzausschuss sind nicht restlos überzeugt von den aktuellen Plänen. Aus mehreren Fraktionen wurden in der Sitzung am Mittwoch Zweifel am Konzept des Architektenbüros "Waechter und Waechter" laut.
Dieses sieht neben zahlreichen kleineren Verbesserungen vor, dass Teile des Großen Saals abgesenkt oder heraufgefahren werden. Somit könnte für Bankette und etwa Karnevalsveranstaltungen ein ebener Raum zur Verfügung stehen - aber auch ein Saal mit ansteigenden Sitzreihen mit einer besseren Akustik für klassische Konzerte.
Doch genau an diesem Punkt gibt es Bedenken. Den Gemeinderäten liegt ein Brief von Experten vor, laut denen eine Ertüchtigung des Großen Saals ohne diesen aufwendigen Umbau wohl eine ebenso gute Akustik erzeugen könne: "Allerdings wäre dieser optimierte Ist-Zustand besser mit dem Denkmalschutz vereinbar - und günstiger", betonte Larissa Winter-Horn ("Heidelberger").
Das sah auch Luitgard Nipp-Stolzenburg von den Grünen so: "Wir bekommen immer wieder Anrufe von Bürgern, die nachfragen, wie es mit der Stadthalle weitergeht." Dabei würden die geplanten Verbesserungen der Stadthalle insgesamt "sehr positiv" wahrgenommen - etwa die Freilegung der alten Orgel, die Modernisierung der Haustechnik oder die Einrichtung angemessener Umkleiden.
"Aber die Hauptsorge gilt dem großen Saal." Deshalb wollen auch die Grünen eine Ertüchtigung des Hauptraums der Stadthalle ohne den aufwendigen Umbau zumindest prüfen lassen. "Das könnte sehr viel Geld sparen."
Auch die Bunte Linke unterstützte diesen Vorstoß: "Uns liegt nicht daran, irgendjemandem in die Suppe zu spucken", betonte Hilde Stolz, "aber das wird ein großer Haushaltsposten - auch bei den langfristigen Folgekosten." Deswegen sei es wichtig, alle Alternativen auf dem Tisch zu haben. Das war auch das Ziel von Winter-Horn: Sie beantragte deshalb ein akustisches Gutachten für den "optimierten Ist-Zustand", um es mit den Plänen von "Wächter und Wächter" vergleichen zu können.
Finanzbürgermeister Hans-Jürgen Heiß bat die Räte dagegen um Zeit, um detaillierte Planungen vorlegen zu können - damit dann eine Entscheidung getroffen werden könne: "Lassen Sie uns die Planungen fertig machen", forderte er das Gremium auf. "In drei Monaten wissen wir vielleicht mehr." Dann könne man abschätzen, wie gut die Akustik wird, wie lange der Umbau dauert und vor allem, wie teuer er wirklich wird.
Zudem warnte er die Räte, dass ein Abweichen von den Plänen zur Folge haben könnte, dass Spender und Sponsoren sich aus dem Projekt zurückziehen: "Die Förderzusage ist gebunden an das ,Waechter und Waechter’-Konzept." Der Mäzen Wolfgang Marguerre, sein Unternehmen Octapharma und mehrere andere Spender haben der Stadt insgesamt 22 Millionen Euro zugesagt.
Bei den Finanzen war auch Mathias Schiemer von "Heidelberg Marketing" um Entwarnung bemüht. Er betreut die Planungen im Lenkungsausschuss und habe dort stets betont: "Wir haben nur 28 Millionen Euro zur Verfügung und können nicht mehr ausgeben." Daran müssten sich alle Pläne ausrichten. Auch er bat die Gemeinderäte zunächst um Zeit, um die Entwürfe zu konkretisieren.
Die wollten sich zwar die Alternative des "behutsamen Umbaus" (Nipp-Stolzenburg) offenhalten, dürfen jedoch nach der Kommunalwahl bis zur Neukonstituierung des Gemeinderates im Juli keine Beschlüsse fällen, die größere Kosten verursachen. Deswegen musste Winter-Horn ihren Antrag umwandeln in einen Arbeitsauftrag an die Stadtverwaltung. Die soll nun bis zur nächsten Sitzung ermitteln, was ein Vergleichsgutachten für den "optimierten Ist-Zustand" kosten würde.