Eberbach: Gutachten für Gelita-Tochter
Karlsruhe/Eberbach. (tv) Hat die Eberbacher Gelita AG ihre Beteiligung am Medikamentenkapselhersteller R.P. Scherer im Jahr 2012 zu billig verkauft? Zur Beantwortung dieser Frage hatte eine Minderheitsaktionärin des nicht börsennotierten Familienunternehmens Gelita im Jahr 2014 die Bestellung eines Besonderen Vertreters durchgesetzt, dessen Schadenersatzklage in erster Instanz beim Landgericht Heidelberg keinen Erfolg hatte. In der Berufung hat das Oberlandesgericht Karlsruhe nun einen Beweisbeschluss verkündet, nach dem ein Sachverständiger klären soll, ob der Verkaufspreis von 43 Millionen Euro für die 49-Prozent-Beteiligung angemessen war. Der Besondere Vertreter, Matthias Schüppen, hatte Vorstände und Aufsichtsräte auf Schadenersatz von insgesamt rund 40 Millionen Euro verklagt. Der Verkaufspreis hätte seiner Meinung nach rund doppelt so hoch sein müssen.
Wie der Juve-Verlag auf seinem Nachrichtenportal berichtet, soll ein Sachverständiger prüfen, welche Bewertungsmethoden beim Kauf oder Verkauf von Unternehmensbeteiligungen üblicherweise herangezogen werden. Außerdem soll der Sachverständige das Vorgehen des Vorstands beim Verkauf überprüfen und die Frage beantworten, ob die Stellungnahme eines auf Firmenverkäufe spezialisierten Unternehmensberaters zum Wert der Anteile der Beteiligung an R.P. Scherer als betriebswirtschaftlich vertretbar eingeordnet werden könne.
Im zeitlichen Zusammenhang mit dem Verkauf der Beteiligung und der folgenden Ausschüttung einer "Superdividende" hatte der Aktionär Philipp Koepff die Mehrheit am Unternehmen erworben. Auch das führte zur Bestellung eines Besonderen Vertreters, die vom Gericht auch in zweiter Instanz als unwirksam erklärt wurde. Gelita hatte kürzlich angekündigt, den Besonderen Vertreter Norbert Knüppel auf 1,5 Millionen Euro Schadenersatz zu verklagen. Knüppel selbst verklagt Gelita auf Zahlung ausstehender Honorare. Das Unternehmen hatte die Zahlungen an Knüppel nach dem erstinstanzlichen Urteil eingestellt.
Das Geschäft des Gelatine-Weltmarktführers läuft in diesem Jahr nicht so gut wie erwartet. Wie der Vorstand im Aktionärsbrief zum dritten Quartal schreibt, seien die Ergebnisziele des Konzers aufgrund der Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf leicht nach unten korrigiert worden, sie bewegten sich jetzt auf dem Niveau des Vorjahres.
Nach neun Monaten lag das Konzernergebnis mit 33 Millionen Euro 16 Prozent über dem des Vorjahres. Der Umsatz ist nach neun Monaten, vor allem wegen des starken Euro und gesunkener Gelatine-Preise, um fünf Prozent auf 520 Millionen Euro gesunken. Als Ziel für 2018 hatte Franz Josef Konert bei der Bilanzvorstellung im März 740 (2017: 709) Millionen Euro genannt.