Mannheim: Zeugnis der Industriekultur am Fahrbahnrand
Von Heike Warlich-Zink
Mannheim. Die Autobahnmeisterei Mannheim-Seckenheim an der Autobahn A656 war Ziel einer Besichtigungstour der bundesweit tätigen Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte (AGAB). Der Verein beschäftigt sich seit 1999 mit der Erforschung und Dokumentation der mehr als 100-jährigen Geschichte der Autobahnplanungen und des Autobahnbaus in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Alle drei Aspekte kamen in Seckenheim zum Tragen.
Die dort gelegene moderne Autobahnmeisterei ist mit 93 Betriebskilometern die größte im Regierungspräsidium Karlsruhe. Dieser Aktionsradius verteilt sich auf Teilbereiche der Bundesautobahnen A5, A6, A67 und A659. Die A656 war früher Teilabschnitt der "Strecke 34" zwischen Frankfurt am Main und Heidelberg. Sie wurde am 3. Oktober 1935 freigegeben und gehört damit zu den ältesten Schnellstraßen Deutschlands.
Damals entstand dort links und rechts der Autobahn eine heute unter Denkmalschutz stehende Tank- und Rastanlage, deren nördlicher Teil in Fahrtrichtung Mannheim sich auf dem Gelände der heutigen Autobahnmeisterei befindet. Das Pendant direkt gegenüber steht im Gewerbegebiet Friedrichsfeld-West. Ebenfalls unter Denkmalschutz stehen auf nördlicher Seite das Verwaltungsgebäude der ursprünglichen Straßenmeisterei sowie eine Fahrzeughalle und der dazwischen liegende Pflasterbereich.
Dieses Ensemble wurde nach dem Krieg zum Gelände für die Stem-Barracks. 2011 gab die US-Army die Kaserne auf. Planungen für die künftige Nutzung der drei Hektar großen Konversionsfläche laufen. Die heutige A656 ist also im Umbruch und hält zugleich Zeugnisse der Industriekultur und technische Denkmäler bereit.
Michael Uhrig kennt die Historie. Bevor er kürzlich ins für Straßenbetrieb und Verkehrstechnik zuständige Referat 45 beim Regierungspräsidium gewechselt ist, war er viele Jahre Dienststellenleiter der Autobahnmeisterei und führte die Arbeitsgemeinschaft sachkundig übers Betriebsgelände. Das liegt am Dünenrand 54 direkt neben der Wohnbebauung von Seckenheim-Suebenheim und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Autobahnpolizei. Auch eine der beiden denkmalgeschützten Tank- und Rastanlagen gehörte eigentlich zur für die Autobahnmeisterei vorgesehenen Fläche. Die Amerikaner vereinnahmten das historische Gebäude jedoch für sich.
Mittlerweile wurde die Tank- und Rastanlage wieder der Autobahnmeisterei zugeschlagen, die sie als Lagerfläche nutzt. Auch heute noch kann man den zur Straßenseite offenen, auf Stützen ruhenden Tankraum gut erkennen. Rückwärtig beherbergten beide Tankstellengebäude früher jeweils den Kassen- und Verkaufsraum sowie die Wohnung für den Tankwart. Die Satteldächer sind mit Biberschwanzziegeln gedeckt.
Bei den beiden sich torartig gegenüberstehenden Tank- und Rastanlagen handelt es sich um im sogenannten Heimatschutzstil errichtete Typenbauten, für die der Stuttgarter Architekt Paul Schmitthenner Kriterien wie Lage in der Landschaft, ortsübliche Baumaterialien und handwerkliche Gestaltung in den Vordergrund rückte.
Da Stahl und Holz damals für die militärische Aufrüstung benötigt wurden, kamen diese beiden Werkstoffe nur sehr sparsam zur Anwendung. Der Architekt gehörte zu den vom NS-Staat besonders geförderten Architekten der Stuttgarter Schule.