OBV Heinrich Bernhard: Ein "fanatischer Weinheimer" wird 90 Jahre alt
Von Günther Grosch
Weinheim. "Ich bin ein fanatischer Weinheimer." Ein Satz, der mehr über den bekennenden "Müllemer Bu" Heinrich Bernhard aussagt als dies eine seitenlange Homestory kann. Am heutigen Samstag, 20. Oktober, feiert der "Lokalpatriot aus Überzeugung", ehemalige Stadtverwaltungsdirektor und von den Bürgern ebenso liebevoll wie respektvoll als "Oberbürgermeistervater" (OBV) titulierte Vater von Alt-OB Heiner Bernhard in körperlicher und geistiger Frische seinen 90. Geburtstag.
Das eine wie das andere kann Bernhard Senior bei der ihm bevorstehenden Gratulationscour der Weinheimer heute besonders gut gebrauchen. Für die Zweiburgenstädter ist Bernhard nach wie vor eine allseits geschätzte Persönlichkeit, mit der man gerne mehr als nur ein Viertelstündchen plaudert. Denn der noch immer aktive "Chorsänger aus Leidenschaft" kann und hat viel zu erzählen.
Was er gerne und ausführlich tut. Denn dies wurmt ihn besonders: "Dass viele Menschen nicht mehr die Weinheimer Geschichte(n) kennen." Er solle seine beruflichen und persönlichen Erfahrungen doch zu Papier bringen, wurde ihm deshalb schon oft geraten. Dass sich das lohnen würde, steht außer Frage.
In den Wirren der Weimarer Zeit 1928 geboren und in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus aufgewachsen, hat Heinrich Bernhard die Notjahre nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso hautnah miterlebt wie er aktiv am Wiederaufbau mitgewirkt hat.
Als Verwaltungslehrling angestellt, 1973 zum Leiter des Personalamts aufgestiegen und ab 1982 als Leiter des Hauptamts der Stadt Weinheim begleitete und prägte "der Perfektionist in Person" von 1943 bis 1989 die Geschicke seiner Stadt: "Unter Friedrich Bartels, Richard Freudenberg, Wilhelm Brück, Rolf Engelbrecht, Theo Gießelmann und Uwe Kleefoot."
Sein Bemühen um absolute Korrektheit zeichnete den Jubilar auch im Ehrenamt aus. Als nebenberuflicher Lehrer in der Unterweisung von Inspektorenanwärtern in Mannheim. Als Beirat der Verwaltungsschule Rhein-Neckar, im Regionalen Rechenzentrum und als ehrenamtlicher Richter.
Hinzu kommt sein Faible für den Gesang, den sein Sohn "Hoiner" von ihm geerbt hat. Von 1971 bis 1977 leitete der Senior die von seinem Vater als Gründungsvorsitzender ins Leben gerufene Sängervereinigung Weinheim. Selbst als damals 17-jähriger Bass in den Verein eingetreten, ist Bernhard seit mehr als vier Jahrzehnten Ehrenvorsitzender des heutigen MGV Sängervereinigung Germania.
"Der es sich als Vereinigung zweier traditionsreicher Weinheimer Chorgemeinschaften zur Aufgabe gemacht hat, sich gegen den schleichenden Verlust eines einst so wichtigen gesellschaftlichen Lebensbereichs zu stemmen", wie es der Journalist Heinz Keller in einer Lobeshymne auf den Träger der Goldenen Ehrennadel einmal formulierte. "Nächtelang", und auch das ist überliefert und gesichert, saß der junge Heinrich Bernhard damals zu Hause. Zog mit dem Lineal Linie um Linie auf Lichtpauspapier, damit daraus Notenblätter werden konnten. Zeichnete anschließend die Noten ein und den Text.
"Im Gesang fanden die Chorsänger der ersten Stunde Freude und Linderung der Mühen und Sorgen des Alltags", erinnert sich die "graue Eminenz". Das Vereinsleben lieferte die Bausteine für Verantwortung und Entschiedenheit. "Wir haben uns alles selbst erarbeitet", sagt Bernhard über das, was für sein ganzes bisheriges "erfülltes Leben" gilt. Und so ist aus einem kurzen Geburtstagstext doch eine längere Geschichte geworden. Die auch eine ganze Seite füllen könnte.
Doch dies bleibt dem 95. oder spätestens dem 100. Geburtstag vorbehalten. Denn auch das macht den Optimismus und die "Luscht om Lewe" des OBVs aus: "In moim Woinem wern die meischde Leit all iwwer 100 Johr alt."