Schwetzingen: Stadt investiert weiter in Kinderbetreuung
Von Stefan Kern
Schwetzingen. Kinderbetreuung ist eine Dauerbaustelle: "Seit Jahren wird dort gearbeitet und ein Ende ist nicht absehbar", gab Schwetzingens Oberbürgermeister René Pöltl in der jüngsten Sitzung des Schwetzinger Gemeinderats zu. Pöltl präsentierte eine umfassende Analyse der Kinderbetreuungssituation in Schwetzingen. Dabei konnte er für den Bereich der Betreuung unter Dreijähriger einen guten Stand verkünden. "Im Krippenbereich können wir den Bedarf abdecken." Der Ausbau der Kinderbetreuung ist für Oberbürgermeister und Gemeinderat die richtige Antwort auf die Erfordernisse moderner Gesellschaften.
Seit 2007, also in gerade einmal elf Jahren, wurden in Schwetzingen aus zehn Betreuungsplätze für unter Dreijährige über 200 Plätze. Eine Bilanz, die sich sehen lassen könne, so Pöltl. Nicht ganz so gut sei dagegen die Lage bei den über Drei-jährigen. Aktuell vorhanden sind 684 Plätze, doch im laufenden Jahr fehlen 47 Plätze. Für das kommende Kindergartenjahr steigt dieses Defizit auf 56 Plätze und im Jahr 2020/2021 gar auf 91 Plätze. Vier Gruppen müssen also schnell verwirklicht werden.
Doch der Oberbürgermeister sieht mehr als genug Potenzial, um dem Bedarf schnell gerecht werden zu können. Entscheidend sei, dass in Schwetzingen der Anteil der Ganztagesbetreuung deutlich bis mindestens 17 Uhr, wenn nicht gar 18 Uhr, gesteigert werde. Zur Lösung gehört eine weitere Betreuungsgruppe im Bonhoeffer-Kindergarten im Gustav-Adolf-Haus. Des Weiteren plant die Stadt auf dem eigens erworbenen Anwesen Moltkestraße 19 - direkt neben der private Krippe Zwergenschlösschen - Platz für zwei Ü-3-Gruppen zu schaffen. Dabei rechnet die Verwaltung mit Kosten in Höhe von 380.000 Euro. Schlussendlich soll auch der städtische Kindergarten Spatzennest um zwei Gruppen erweitert werden. Dafür rechnet die Verwaltung mit Kosten für den Ausbau von rund einer Million Euro.
Ebenfalls angegangen werden soll die Sanierung des Kindergartens St. Pankratius. Die Kosten von rund 1,6 Millionen Euro, wobei die Stadt knapp 1,5 Millionen Euro trägt, sind laut Pöltl gerechtfertigt, da der Kindergarten stark sanierungsbedürftig ist. Die Einrichtung mit bisher vier Gruppen soll auf drei Gruppen reduziert werden, dafür aber im Ganztagsmodus. "Es sind große Belastungen", räumte der Oberbürgermeister ein. "Aber sie sind angesichts des Ziels einer familienfreundlichen Stadt angemessen."
Diese Sicht teilten die Mitglieder des Gemeinderats. "Schwetzingen muss liefern", betonte Elfriede Fackel-Kretz-Keller (SFW). Aber es sei wichtig, zu wissen, was das finanziell bedeutet: Die Stadt gibt für den laufenden Betrieb der Kindergärten zehn Millionen Euro im Jahr aus. Vom Land gibt es eine Förderung über rund vier Millionen Euro, sodass bei der Stadt eine Belastung von sechs Millionen Euro verbleibt. "Das sind zehn Prozent des Verwaltungshaushalts", bilanzierte sie. Auch Sarina Kolb (CDU) bewertete das Vorgehen als alternativlos. Genau wie Herbert Nerz (FDP) forderte sie, am Ball zu bleiben, auch und vor allem beim Ausbau des Ganztagesangebots.
Bärbel Schifferdecker (SPD) forderte darüber hinaus, die Diskussion über kostenlose Kitas weiter zu forcieren: "Hier müssen wir für die Eltern endlich weiter kommen." Auch von Martina Blattner (Grüne) kam Unterstützung. Sie betonte aber, dass sie durchaus Bauchschmerzen habe, dass Eltern gezwungen seien, ihre Kinder immer länger in fremde Hände zu geben. Auch die Arbeitgeber seien mehr in der Pflicht, mit flexiblen Arbeitszeiten, Arbeitszeitkonten und anderen Instrumenten, den Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern zu ermöglichen.
Am Ende stimmten die Ratsmitglieder einstimmig für die diversen Vorhaben der Verwaltung. Völlig unstrittig war auch der Beschluss für die Zulage für die Arbeitszeit bis 18 Uhr im Kindergarten Arche Noah. Dabei wird für das Arbeiten bis 18 Uhr eine Zeitgutschrift von einer Stunde gewährt, die dann als Überstunde ausgezahlt werden kann. Im Grundsatz Einigkeit bestand auch über die Schaffung einer Koordinationsstelle für die evangelische Kirchengemeinde im Umfang über 30 Wochenstunden. Bis dato sei diese Aufgabe, anders als bei der katholischen Kirchengemeinde, sozusagen nebenbei erledigt worden. Das ist aber laut evangelischer Kirchengemeinde nicht mehr möglich. Die Verwaltung rechnet mit Personalmehrkosten von 47.000 Euro im Jahr. Etwas Schwierigkeiten bereiteten den Ratsmitgliedern die Kosten. Kolbs (CDU) Frage nach der tarifrechtlichen Korrektheit bejahte Pöltl. Die höheren Gehälter seien politisch gewollt. Am Ende wurde der neuen Stelle bei zwei Enthaltungen zugestimmt.