Sinsheimer Baumesse: Zimmerei im Zelt (plus Fotogalerie)
Von Christian Beck
Sinsheim. Sie sieht ein wenig anders aus, die Baumesse in ihrer 18. Auflage: Statt in der Messehalle 6 können sich Besucher seit Freitag in fünf miteinander verbundenen Großzelten umschauen, die auf dem Messe-Parkplatz errichtet wurden. 140 Aussteller bieten darin sowie auf dem Freigelände bis Sonntag ihre Dienste an, laut den Veranstaltern Simone und Marcel Becker sind es aufgrund geringerer Platzverhältnisse etwa 60 weniger als im Vorjahr.
Als große Herausforderung beschreibt das Ehepaar die räumlichen Veränderungen, die nötig geworden waren: Im März hatten die Betreiber der Sinsheimer Messe bekannt gegeben, dass die Halle 6 nicht mehr als Messe-, sondern als Lagerhalle genutzt wird. Was also wird mit der Baumesse?
Laut Marcel Becker sei sofort klar gewesen, dass sie stattfindet. In Verhandlungen habe man vereinbart, auf das Gelände der Parkplätze auszuweichen. Doch hierfür mussten erst Zelte aufgebaut werden, Elektrik und Heizung wurden installiert. "Wir kennen das aber schon von anderen Messestandorten", zeigt sich Marcel Becker entspannt.
Und die Aussteller, rund 70 Prozent kommt aus der Region zwischen Heidelberg und Heilbronn, reagieren ähnlich: Nach anfänglicher Skepsis hätten sich viele von ihnen zufrieden mit der Atmosphäre in den Zelten gezeigt. "Hier ist es vom Aufbau leichter und die Leute verteilen sich gut", findet Joachim Binkele von der Kraichgau-Werkstatt. Der Baumesse fern zu bleiben, sei sowieso nie in Frage gekommen, betont der Gruppenleiter der Schreinerei: Wer hier keine Präsenz zeige, werde schnell gefragt, ob es die Firm überhaupt noch gebe.
Mike Steiger, Geschäftsführer der Firma Steiger & Foxx aus Bad Rappenau sieht das ähnlich, er war bisher jedes Jahr hier: "Sinsheim ist für uns die lukrativste Messe. Wir ziehen zwischen zehn und 15 Aufträgen hier raus." Da könne auch der Maimarkt nicht mithalten. Allerdings seien die Auftragsbücher bereits jetzt für die kommenden Monate gut gefüllt - diesen Grundton stimmen zahlreiche Aussteller der Baumesse an. Und der altbekannte Fachkräftemangel macht es ihnen dabei nicht einfacher: An manchen Ständen werden nicht nur Aufträge, sondern auch Auszubildende und Gesellen gesucht.
Die Bandbreite der angebotenen Dienstleistungen ist traditionell groß: Wer bauen, renovieren oder modernisieren möchte, wird in den unterschiedlichsten Bereichen fündig. Zwischen Zimmereien und Schreinereien finden sich auch Energieversorger, weitere Stände bieten Haustechnik, Reinigungen, Kachelöfen, Werkzeuge, Einbruchschutz, Haushaltshelfer und vieles mehr. Vorträge und Live-Vorführungen ergänzen das Angebot.
Als Trend haben die Beckers hochwertige Einrichtung ausgemacht: edle Möbel, schicke Bäder oder hochwertige Küchen zum Beispiel. Winfried Schwarz aus Wiesloch sucht letztere und passt dabei in eine jener Zielgruppen, die Simone Becker ausgemacht hat: Viele Menschen jenseits der 60 möchten es in ihrem Zuhause und somit sich selbst offenbar noch einmal richtig schön machen.
Während am Freitag im Regelfall weniger Besucher mit sehr konkreten Vorstellungen die Messe besuchen, kommen laut Simone Becker am Samstag und Sonntag viele Interessierte, um zu suchen und sich inspirieren zu lassen. Jeweils von 10 bis 18 Uhr hat die Baumesse heute und morgen geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben freien Eintritt. Zudem wird eine Kinderbetreuung angeboten. Für ausreichend Parkplätze und das leibliche Wohl ist laut Veranstalter ebenfalls gesorgt.