Rhein-Neckar Löwen: Nur Berlin im Kopf
Von Tillmann Bauer
Mannheim. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Das wird sich am Donnerstagnachmittag wohl auch Nikolaj Jacobsen (46) gedacht haben, als er auf sein Handy geschaut hat. Denn die Pokal-Auslosung, die der ehemalige Weltmeister Dominik Klein vollziehen durfte, konnte der Trainer der Rhein-Neckar Löwen nicht live im Fernsehen verfolgen. Den Gegner aber bekam er per WhatsApp mitgeteilt.
Seine Mannschaft, die Titelverteidiger im DHB-Pokal ist, erwischte keine leichte Aufgabe. Dass man im Viertelfinale, welches die letzte Hürde vor dem großen Final Four in Hamburg darstellt, nun auf die Füchse Berlin trifft (18. oder 19. Dezember), stört Jacobsen nicht wirklich. Vielmehr, dass man in der Hauptstadt antreten muss.
"Ärgerlich", urteilte der Däne, "im Pokal ist ein Heimspiel immer besser, zumal wir in Berlin zuletzt nicht so gut ausgesehen haben." Es sei keineswegs ein Traumlos und doch ist es schon ein komischer Zufall, dass der früher so quirlige Linksaußen Dominik Klein die Hauptstädter für die Löwen aus dem Topf gezogen hat. Denn die Füchse sind aktuell das Team, mit dem sich Jacobsen sowieso am intensivsten beschäftigen muss. Am Sonntag (13.30 Uhr/SAP Arena) kommt es in der Liga zum direkten Aufeinandertreffen, auch wenn dabei die Löwen auf einen Heimvorteil bauen können.
"Wir haben nicht viel Selbstvertrauen aktuell", fasst Jacobsen noch einmal den Ernst der Lage zusammen, "das kann auch ich als Trainer meiner Mannschaft nicht einfach geben." Erarbeiten müsse man es sich, durch Siege und Erfolgserlebnisse. Denn nach der Pleite im Topspiel gegen Kiel tat man sich unter der Woche auch im Pokal beim starken Aufsteiger vom Bergischen HC schwer. "Es ist eine schwierige Phase aktuell", so der Däne, "so etwas hatten wir in den vergangen Jahren aber auch immer. Nur jetzt ist es eben etwas früher in der Saison." Er schluckt. Geduld müsse man haben, auch er als Trainer.
Vielleicht klappt es ja morgen mit einem echten Erfolgserlebnis, denn ein Sieg gegen Berlin würde auch den Glauben an die eigene Stärke zurückbringen. Wenn die Füchse auf Löwenjagd gehen, dann kann man von einem Spitzenspiel der Bundesliga sprechen. Denn normalerweise zählt der Hauptstadtklub zu den vier, fünf Mannschaften, die in Deutschland um Titel mitspielen können, wenn sie es schaffen, schwerwiegende Verletzungen zu vermeiden. Aktuell sieht es dabei schlecht aus - das Lazarett ist groß.
Zudem müssen sich die Berliner mit einem Problem rumschlagen, das die Löwen bestens kennen. Der Terminstress hat sie eingeholt, noch gestern Abend spielte man das Finale der Klub-WM in Katar, bevor es unmittelbar danach in den Flieger Richtung Heimat ging, um morgen in Mannheim rechtzeitig auf dem Parkett zu stehen. Wenn es also am Ende darum gehen sollte, wer den längeren Atem hat, könnten und sollten die Badener eigentlich einen Vorteil haben.
Jacobsen glaubt nicht, dass dies einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Begegnung haben wird. "Die Belastung der Spiele ist jetzt nicht so hoch", findet er, "viel größere Auswirkungen haben die Reisestrapazen." Man selbst kenne das nur zu gut aus der Champions League. Jacobsen: "Da muss Berlin jetzt eben mal durch."