Philipp Lahm in Heidelberg: Biokost statt FC Bayern
Von Arnd Janssen
Heidelberg. Es kann sich im Leben nicht immer alles nur um Fußball drehen. "Ich wollte mal was Neues machen, mich weiterbilden, einfach nicht stehen bleiben", sagte Philipp Lahm am Donnerstag in Heidelberg über seine Entscheidung, nach seinem Karriereende im Sommer 2017 keine leitende Funktion beim FC Bayern München zu übernehmen.
Stattdessen konzentriere er sich seitdem ganz auf seine unternehmerische Tätigkeit. Bereits 2015 kaufte der Weltmeister die Pflegeprodukt-Marke "Sixtus" und beteiligte sich zuletzt auch am Biokost-Hersteller "Schneekoppe" - inzwischen gehören ihm 70 Prozent der Firma.
Beim 21. Verpackungsdialog im Deutschen Verpackungs-Museum, bei dem sich Vertreter großer Marken und der Verpackungsindustrie treffen, erzählte Lahm von seinen Erfahrungen und Problemen als Unternehmer. Museumsdirektor Hans-Georg Böcher lud den Ex-Fußballer zum Dialog vor ausgewählten Gästen.
"Ich bin ehrgeizig, war es schon als Junge, das ging beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen los", so der 34-Jährige. Eine Eigenschaft, die ihm nicht nur in seiner Rolle als Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft half. Auch als Organisationschef der Europameisterschaft 2024 in Deutschland wird er diesen Ehrgeiz brauchen.
Lahms Sohn, mit sechs Jahren auch schon begeisterter Fußballer, wird möglicherweise nicht die Bilderbuchkarriere seines Vaters hinlegen. Auch das ein Grund für Lahm, ins Unternehmerische einzusteigen: "Ich will mich auch in einer anderen Welt auskennen. So bin ich später vorbereitet, meinen Kinder zu helfen, sollte es mit dem Fußball nichts werden." Sein Einstieg beim Unternehmen Schneekoppe war holprig. Vor wenigen Jahren geriet der ehemals namhafte Hersteller von Naturkost in eine wirtschaftliche Schieflage, die Unternehmensführung wechselte mehrfach und schließlich musste Schneekoppe in ein Insolvenzverfahren.
Nach Philipp Lahms Einstieg wurde die Produktpalette stark verkleinert und neugeordnet, viele Mitarbeiter mussten die Firma verlassen. Bis heute schreibe Schneekoppe rote Zahlen, erzählt Lahm, doch es gehe kleinschrittig voran. "Wie schon bei meinen Fußball-Verträgen sind meine Engagements langfristig angelegt. So wird die Marke glaubwürdig", macht der Münchener deutlich. Schneekoppe macht "natürliche Kost für einen gesunden Lebensstil" - damit kann Lahm sich identifizieren. "Auch als Profi-Fußballer musste ich mich immer gesund ernähren."
Und Lahm ist auch fähig zur Selbstkritik. Passend zum Thema des Tages - zuvor war die Verpackung des Jahres gekürt worden - kritisierte Hans-Georg Böcher das Schneekoppe-Produktdesign: "Es fehlt mir noch eine einheitliche Verpackung mit Wiedererkennungswert, ähnlich der blauen Nivea-Dose, die Erinnerungen von früher hochsteigen lässt." Daran müsse man tatsächlich noch arbeiten, gestand Lahm ganz offen.
Sein Prominentenstatus helfe ihm übrigens häufig, etwa um Termine mit Kooperationspartnern bei der Zulieferung zu bekommen. Dass diese seine Bekanntheit ausnutzen, kenne der 34-Jährige bisher nicht: "Partnerschaft bedeutet für mich auch eher, gemeinsam etwas wachsen zu lassen, von dem beide Seiten profitieren können."