Bad Rappenau: "Adlerauge" auf Rundflug durch die Kurstadt
Von Falk-Stéphane Dezort
Bad Rappenau. Dem silbernen Fahrzeug mit orangenen Dachaufbau von "Eagle Eye Technologies" aus Berlin entgeht kein Millimeter Straßenraum. Wenn der Wagen - ausgestattet mit modernster Technik - bis voraussichtlich Dienstag durch die Kernstadt und die Ortsteile fährt, machen zwölf Kameras alle fünf Meter Bilder, um den Zustand der Bürgersteige und Straßen zu erfassen. "Da bleibt kein Detail unentdeckt", freut sich Oberbürgermeister Sebastian Frei. Die Kosten für die Befahrung liegen bei 84.000 Euro.
Das Straßenverkehrsnetz der Kurstadt ist 123 Kilometer lang - ausgenommen Feld- und Wirtschaftswege - und weist an einigen Stellen dringenden Sanierungsbedarf auf. Um diese Stellen mit einem Klick in einer elektronischen Akte zu vermerken, hatte der Technische Ausschuss im Mai einer Erstellung eines digitalen Straßenkatasters zugestimmt. Dieses soll die Straßen und deren Zustand erfassen und bewerten, um so ein sinnvolles Straßensanierungsprogramm unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erhalten.
"Der Wagen ist mit Dachaufbau mit zwölf Kameras und einem 3D-Kreiselkompass 3,30 Meter hoch", nannte Alexander Gumnior von der Firma "eagle eye technologies" Fakten. "Wir können über parkende Autos drüber schauen und auch in die Lücken sehen. 3D ist für uns entscheidend für die Zuverlässigkeit, flächendeckend jeden Punkt zu erfassen." Der Kreiselkompass, die Kameras und ein Wegstreckenzähler an den Hinterrädern synchronisieren sich regelmäßig und erfassen alles digital. Auch das Innere des Fahrzeugs macht einiges her. So ist das hintere Drittel ein mobiler Serverraum, der die Datenmengen verarbeitet und speichert.
Beim sensiblen Thema Datenschutz gab Gumnior Entwarnung: "Der ist gewährleistet. Es gibt Richtlinien, die wir einhalten." Man sei bemüht, keine persönlichen Bilddaten zu erfassen. Eine Zuordnung persönlicher Daten zu den erfassten Bilddaten erfolgten in keinem Fall. Das Bildmaterial werde lediglich im Rahmen des Auftrages zur Erfassung der Infrastruktur in Bad Rappenau verwendet. Kennzeichen und Personen werden unkenntlich gemacht.
Im Straßenverkehr dürfte der imposante Wagen jedem Auffallen. Doch aufhalten soll er den restlichen Verkehr nicht. "Wir fließen mit dem Verkehr mit. Wir fahren nicht in Schrittgeschwindigkeit", erklärt Fahrer Alfons Podpecan. "Es ist ein bisschen wie in der Fahrschule", sagt Gomnior und lacht. Vermessungsingenieur Stefan Lange gebe an, wo Podpecan als nächstes hinfahren müsse. Um auch wirklich jeden Zentimeter des Straßennetzes zu erfassen, wird jede Straße doppelt und in verschiedenen Fahrtrichtungen befahren.
Alle fünf Meter lösen die Kameras aus. Bei 123 Kilometer Länge kommen dabei knapp 300.000 Bilder zusammen. Diese enorme Menge an Daten auszuwerten, wird einige Zeit beanspruchen. Die Bilder werden kategorisiert und unter anderem nach Fahrbahndecke oder Zustand sortiert. Mit den ersten Ergebnissen rechnet OB Frei im Frühjahr.
"Es ist für alle Beteiligten ein gutes Projekt", meint das Stadtoberhaupt. Man bekomme einen Überblick über die Straßen und könne im Nachgang anfangen zu priorisieren. "So können wir Investitionsmaßnahmen planen." Die Ergebnisse sollen künftig auch gepflegt werden. Fertige Baustellen und neue Straßenschäden sollen dann vermerkt, unsanierte Straßen abgewertet werden. In acht bis zehn Jahren wird für den Gesamtabgleich des Katasters eine weitere Befahrung notwendig.
Das "Adlerauge" ist aber nicht nur für Bad Rappenau interessant. Zum Startschuss am Freitag kamen auch ein Vertreter aus Gundelsheim sowie Ittlingens Bürgermeister Kai Kohlenberger, die sich sogleich auf eine Testfahrt begaben.