Ladenburger Filmfestival: Das war kein Popcorn-Kino (plus Trailer)
Von Axel Sturm
Ladenburg. Mirco Günther, der Landesdirektor der Friedrich-Ebert-Stiftung Afghanistan, war erst einmal baff. "Ein Filmfestival von solch hoher Qualität in einer Kleinstadt wie Ladenburg zu organisieren, das ist eine Sensation", meinte Günther, der als Produzent des Filmes "Return to Afghanistan" selbst eine Rolle beim ersten Ladenburger Filmfestival einnahm.
Die Resonanz bei der Premierenveranstaltung war überragend. "So ist das eben in unserem Ladenburg", zeigte sich auch der Schirmherr des Festivals, Bürgermeister Stefan Schmutz, sehr zufrieden. 20 Filme wurden an vier Tagen an den drei Veranstaltungsorten Domhof, Jugendzentrum "Kiste" und evangelisches Gemeindehaus gezeigt.
"Auf der Suche nach der verlorenen Würde des Menschen", war der Titel des Festivals, das sich thematisch mit der Sicherheit beziehungsweise Unsicherheit in Afghanistan beschäftigte. "Wir bieten hier kein Popcorn-Kino, sondern wir zeigen Filme, die unter die Haut gehen", sagte Festivalleiter Hassan Nazeri. Bei der Eröffnung am Freitagabend sprach er von einem "glücklichen Tag".
Vor fünf Jahren flüchtete der regimekritische Filmemacher von Afghanistan nach Deutschland. Ihm wurde von den Taliban unmissverständlich verdeutlicht, dass für ihn kein Platz mehr in Afghanistan ist. In Ladenburg fand Nazeri eine "zweite Heimat", wie er im Interview mit Festivalmoderator Christian Scharff erzählte.
Zwei Ziele wollte der Filmprofi mit der Organisation des Festivals verfolgen. Zum einen wolle er Ladenburg und seinen hilfsbereiten Menschen etwas zurückgeben, und zum anderen sei es notwendig, die Sicherheitslage in Afghanistan zu thematisieren.
Dass der anerkannte Flüchtling, der in der Filmbranche bestens vernetzt ist, seinen Traum verwirklichen konnte, sei "einfach verrückt", meinte der Bürgermeister in seinem Grußwort. Er bezeichnet das Thema als "nicht einfach", aber es müsse darüber informiert und geredet werden.
Auch Schmutz hatte nicht daran geglaubt, den Golden-Globe-Gewinner 2004 der Kategorie "Bester ausländischer Film", Siddiq Barkam, einmal in Ladenburg begrüßen zu können. Ein Höhepunkt war auch, dass es gelungen ist, den Animationsfilm "The Breadwinner", den der Weltstar Angelina Jolie produziert hat, in Ladenburg zu zeigen.
Mit der Vorführung von 20 Filmen sollte unterstrichen werden, dass die Sicherheitslage in Afghanistan immer noch schlecht ist. "Wenn sie beim Bäcker um die Ecke ein Brot kaufen wollen, wissen Sie nicht, ob Sie den Einkaufsgang überleben und das Brot bei der wartenden Familie abgeben können", beschrieb Mirco Günther eine Situation, die für ihn zum Alltag gehört. Er lebt in Kabul und flog zur Festivaleröffnung extra nach Deutschland.
Der von ihm produzierte Film "Return to Afghanistan" erzählt die Geschichte von sieben Flüchtlingen, die von Deutschland nach Afghanistan zurückgeführt wurden. Er beschäftigt sich unter anderem mit den Umständen ihrer Abschiebung. Die Dokumentation wurde unter schwierigsten Umständen im Sommer 2017 gedreht - in den Wochen unmittelbar nach dem schweren Anschlag vor der Deutschen Botschaft in Kabul.
Beeindruckend war auch "True Warriors". In dem Film geht es um eine Gruppe Künstler in Kabul, die ein Theaterstück über einen Selbstmordanschlag geschrieben haben und die selbst zum Ziel eines Selbstmordanschlags wurden.
Zu sehen war auch der Spielfilm "Kunduz" der Regisseure Simona und Stefan Gieren. Der Film erzählt die wahre Geschichte eines Luftangriffs auf zwei Tanklastzüge im September 2009, bei dem zahlreiche Erwachsene und Kinder ums Leben kamen.
Zwei mal vor ausverkauftem Haus wurde der Spielfilm "Osama" des Regisseurs Siddiq Barmak gezeigt. Weil nur männliche Verwandte ihren Lebensunterhalt verdienen dürfen, beschloss eine Mutter, ihre Tochter als Sohn zu verkleiden. Dabei wird das Mädchen gezwungen, an den religiösen Riten der Männer teilzunehmen. Der Film beschreibt auch die Furcht vor der Enttarnung, die mit dem sicheren Tod verbunden ist.