Mühlhausen: Gemeinde will Areal im Kernbereich "unbedingt in unsere Hände bekommen"
Mühlhausen. (seb) Die Innenverdichtung - das Nutzen brachliegender Grundstücke oder leer stehender Häuser - ist ein Gebot der Stunde. Auch die Gemeinde Mühlhausen möchte möglichst alle Potenziale innerorts nutzen, ehe es ans Ausweisen weiterer Baugebiete an den Ortsrändern geht. Gerade im Zug des laufenden Landessanierungsprogramms bietet es sich an, Entwicklungschancen im Ortskern zu ergreifen.
Und so fiel die Entscheidung einstimmig, ein Grundstück mit zwei Wohnhäusern, einer Garage und einer Scheune in der Hauptstraße 51 und 53 zu erwerben, um sie künftig sinnvoll zu nutzen - wenn das Wofür auch vorerst offen gelassen wurde. "Das ist eine gute Lage", argumentierte Bürgermeister Jens Spanberger dafür, etwas Sinnvolles und Ansehnliches entstehen zu lassen.
Das Areal mit 796 Quadratmetern ist in direkter Nachbarschaft zur Pizzeria "Da Giovanni", gegenüber von Kik und Volksbank. Ihm zufolge liegt es bereits seit 2014 "im Dornröschenschlaf", nachdem der Eigentümer verstorben war und es in den Besitz einer Erbengemeinschaft überging.
Spanberger wies auf einige Besonderheiten hin. Das ältere Wohngebäude, 1897 errichtet und damit eins der ältesten in der Gemeinde, sei leider nicht mehr zu retten. Man rechne mit Kosten von 53.000 Euro für den Abriss und die Entsorgung eventueller Altlasten im Boden.
Das Haus verfüge auch über einen Gewölbekeller, der wohl verfüllt werden müsse - an dieser Stelle bat Hans Becker (CDU) darum, sich den Keller erst einmal ansehen zu können, eventuell könne er erhalten werden: "So viele andere wurden in der Gemeinde schon plattgemacht."
Nach dem Abriss, fuhr Spanberger fort, könnte ein Parkplatz angelegt werden oder man könne einen Teil des Grundstücks an die Pizzeria verpachten, vielfach schon habe ihn aus der Bürgerschaft der Wunsch nach mehr Außengastronomie erreicht.
Das andere Einfamilienhaus sei aus dem Jahr 1968 und habe eine Terrasse, so Spanberger, man könne es durchaus "herrichten und bewohnbar machen" - er dachte an eine Unterkunft für soziale Zwecke, für Obdachlose oder Flüchtlinge, schließlich herrsche nach wie vor Bedarf.
Mit Verweis auf den aktuellen Haushaltsvollzug erklärte Bürgermeister Spanberger, dass man die (nur nichtöffentlich genannten) überplanmäßig entstehenden Kosten für Grundstück und Abriss beziehungsweise Sanierung voraussichtlich aus Mehrerlösen bei Grundstücksverkäufen stemmen könne, "das ist praktisch jetzt schon gegenfinanziert".
"Das müssen wir unbedingt in unsere Hände bekommen", meinte Hans Becker zu diesem Grundstück im "Kernbereich von Mühlhausen": Das solle niemand anderer umgestalten. Becker hielt auch die Finanzierung für machbar, Kämmerer Helmut Bechtold "passt auf unser Geld gut auf".
Er wie auch Bruno Sauer (Freie Wähler) verwies auch auf die Pflicht, Wohnraum für Zuwanderer zu schaffen. Die Lage sei optimal.
Über die Pläne, ein Teilstück zu verpachten, zeigte sich Sauer jedoch verwundert: Lieber solle man weiter über sozialen Wohnungsbau nachdenken, "das sehen wir als vorrangig an". Auf keinen Fall dürfe man vorschnell handeln, "der Gemeinderat sollte sich später mit der gesamten Nutzung ausführlich befassen".