Sinsheim: Sanierungsbeschluss für Kraichgau-Realschule vertagt
Von Christian Beck
Sinsheim. Am Ende war es Schulleiter Holger Gutwald-Rondot selbst, der der angespannten Atmosphäre im Gemeinderat mit Humor begegnete und herzliche Lacher erntete: Nachdem Oberbürgermeister Jörg Albrecht ihm und dessen Stellvertreterin Sabine Lager augenzwinkernd ein Eis versprochen hatte, antwortete der Rektor der Kraichgau-Realschule: "Ich dachte, das zahlt der Herr Göschel." Denn eben jener erfahrene Gemeinderat hatte sich zuvor vehement dafür eingesetzt, dass die Entscheidung über die Sanierung der Schule nicht am gestrigen Dienstagabend gefällt wurde.
Es war ein Schauspiel, wie es im Sinsheimer Ratssaal bislang nicht zu beobachten war: Hauptamtsleiter Marco Fulgner und Gemeinderat Jens Schellenberger studierten die Gemeindeordnung, kamen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Mehrfach herrschte Unklarheit darüber, ob nun über die Schulsanierung entschieden werden soll oder nicht. Das Thema bewegte das Ratsrund sichtlich, im Laufe der zweieinhalbstündigen Sitzung wurde es immer wieder angesprochen.
Ausgangspunkt war ein Antrag Helmut Göschels (SPD): Über die rund acht Millionen Euro teure Sanierung der Kraichgau-Realschule könne nicht sinnvoll entschieden werden, da zu wenig Informationen vorlägen. Die Angelegenheit müsse deshalb zuerst in einem Ausschuss vorberaten werden. Sieben Räte sprachen sich in der folgenden Abstimmung dafür aus - eine Minderheit im 41 Räte zählenden Gremium. Doch die SPD hatte geschlossen für den Antrag gestimmt. Ob dies reicht, um die Angelegenheit an einen Ausschuss zu verweisen, dazu gab es unterschiedliche Ansichten. OB Albrecht sprach sich schließlich für eine Vorberatung aus: Voraussichtlich am 11. September wird das Thema im Ausschuss für Technik und Umwelt behandelt. Im Idealfall könnte der Gemeinderat dann am 25. September die Sanierung beschließen.
Die Kraichgau-Realschule selbst trat bei der Debatte völlig in den Hintergrund. Die Planungen betreffen vor allem den 40 Jahre alten Ursprungsbau, die Erweiterungen aus den Jahren 1981, 1996 und 2005 deutlich weniger. Der älteste Teil der mit rund 850 Mädchen und Jungen größten Einzelschule der Stadt soll entkernt und neu ausgebaut werden. "Angefangen hat alles mit einer geplanten Toilettensanierung", erklärt Gutwald-Rondot auf RNZ-Nachfrage. Doch Erkundungsarbeiten hätten zahlreiche weitere Schwachstellen ergeben. Geöffnete Decken förderten unter anderem die hölzerne Bauverschalung zu Tage. Diese und weiteres Holz im Bereich der Gänge und Übergänge zu den Klassenzimmern entspricht nicht den Brandschutzverordnungen.
Einige Decken wurden gar nicht wieder verschlossen, dies soll erst im Rahmen der geplanten Sanierung geschehen. In deren Rahmen soll die Schule insgesamt attraktiver werden: Helle Wände und Böden, mehr Licht, ein neuer Zuschnitt der Räume - all das sei laut Gutwald-Rondot wünschenswert. Um diesen Umbau zu ermöglichen, müssen 15 Klassen sowie die Fachbereiche Naturwissenschaft, Technik und Kunst in Container umziehen. Diese sollen auf dem Außengelände der Schule unterhalb der Sporthalle aufgestellt werden. 8,1 Millionen Euro soll der Umbau kosten, die Stadtverwaltung rechnet mit Fördergeldern in Höhe von 1,8 Millionen Euro.
Bis es soweit ist, vergeht jedoch mindestens ein Jahr. Ob die vertagte Entscheidung Verzögerungen mit sich bringt? "Ich hoffe es nicht", erklärte Gutwald-Rondot. Der OB geht auf RNZ-Nachfrage davon aus, dass die Sanierung im Zeitplan bleibt.