WM-Star des SV Sandhausen: Rurik Gislason ist "für den Bachelor nicht der Typ"
Von Claus Weber
Sandhausen. Rurik Gislason kommt als letzten Spieler aus der Kabine. Der Isländer ist sehr gefragt am Medientag des SV Sandhausen. Verlage und Radiosender, die sich sonst nicht an den Hardtwald verlieren, sind nur wegen des 30-jährigen Wikingers gekommen.
Denn bei der Fußball-WM war er einer d e r Stars. Zumindest in den sozialen Medien. 36.000 Fans folgten ihm vor Russland auf Instagram, inzwischen sind es 1,3 Millionen.
"Wie ist es nur möglich, dass man so schön ist?", postete die brasilianische Schauspielerin Gabriela Lopes nach Gislasons WM-Debüt gegen Argentinien - und löste einen regelrechten Hype aus. "Sie hat mein Leben grundlegend verändert", lacht der Angreifer vom Hardtwald, der mit dem plötzlichen Ruhm erstaunlich locker umgeht, freundlich und nahbar geblieben ist und (fast) alle Fragen der RNZ beantwortet.
Nur die nach seinem Beziehungsstatus nicht. "Über mein Privatleben spreche ich nicht", schmunzelt der gut aussende Nordmann, den die Zuschauer am Mittwochabend live erleben können.
Zum Höhepunkt der Saisonvorbereitung empfängt der Zweitligist um 18.30 Uhr den VfB Stuttgart am Hardtwald. Otmar Schork, der auf 4000 Zuschauer hofft, freut die neue Bekanntheit seines Stürmers.
"Rurik steht momentan schon sehr im Fokus", sagt der Geschäftsführer, "wir glauben aber, dass er mit dem Hype gut umgehen kann." Karten für das Testspiel gegen Stuttgart sind noch in allen Kategorien erhältlich.
Rurik Gislason, nach der WM durften Sie zwei Wochen Urlaub machen.
Ich war mit Freunden sechs Tage in Miami. Und danach habe ich in Island Urlaub im Regen verbracht (lacht). Aber es war schön bei meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Schwester und meinen insgesamt sechs Nichten und Neffen.
Unmittelbar vor der WM haben Sie Ihren Vertrag beim SV Sandhausen verlängert. Was sprach dafür?
Es ist wichtig für mich zu spielen - und zwar Woche für Woche. Der Trainer vertraut mir und fördert mich. Ich will etwas von dem Vertrauen, das er mir schenkt, zurückgeben. Die Entscheidung ist mir daher sehr leicht gefallen.
Wie haben Sie von Ihrem plötzlichen Ruhm erfahren?
Nach dem Argentinien-Spiel hat mein Instagram-Account verrückt gespielt. Die Zahlen sind unheimlich in die Höhe geschossen. Aber das hat mich sehr gefreut, das war doch nur positiv für mich.
Sie haben viele Anfragen erhalten …
Im Urlaub wollte ich mich erholen, da habe ich nur eine TV- und eine Radio-Show besucht. Nun versuche ich so viele Anfragen wie möglich zu beantworten. Es gab auch Angebote, als Modell für Mode zu arbeiten. Vielleicht mache ich das eine oder andere. Ich denke drüber nach. Es muss aber das Richtige dabei sein.
Gab’s auch verrücktere Angebote, ob Sie beispielsweise als Bachelor ins Fernsehen gehen würden?
(lacht) Nein, das würde ich nicht machen. Dafür bin ich nicht der Typ.
Die brasilianische Schauspielerin Gabriela Lopes hat den Hype um Sie ausgelöst. Haben Sie Kontakt zur ihr?
(schmunzelt) Nein, den habe ich nicht. Dabei hat sie mein Leben grundlegend verändert.
Könnte der plötzliche Ruhm mehr Zuschauer nach Sandhausen locken?
Ich hoffe es. Aber es geht nicht um mich, sondern um die Mannschaft. Wenn das Team gut spielt, kommen die Fans. Und wir haben eine gute Mannschaft! Der SV Sandhausen ist so ein wundervoller kleiner Klub, hier ist es wie in einer Familie.
Island hat bei der WM ein 1:1 gegen Argentinien erreicht, danach aber gegen Nigeria und Kroatien verloren. Überwiegt der Stolz oder die Enttäuschung?
Es ist ein Mix aus beidem. Ich bin ein bisschen enttäuscht, aber auch stolz auf Island und meine Mannschaft. Hey - wir haben beim Weltcup gespielt.
Sie hatten zwei Einsätze bei der WM ...
Ich bin realistisch und froh über jede Minute, die ich spielen durfte. Denn ich hatte in den letzten Jahren nicht so viele Länderspiele bestritten.
Im Trainingslager haben Sie elf neue Spieler kennengelernt. Was ist für Sandhausen in der neuen Saison drin?
Es ist noch zu früh, um das sagen zu können. In der 2. Liga kann wirklich jeder jeden schlagen. Unser Ziel ist aber auf jeden Fall, besser als im Vorjahr abzuschneiden.
Mit Fabian Schleusener, Kevin Behrens oder Karim Guédé hat der SV Sandhausen vor allem im Sturm aufgerüstet. Sind das eher Kollegen oder Konkurrenten?
Es sind Kollegen - und richtig gute Spieler. Das erhöht schon unsere Qualität.