Schnakenbekämpung: Aktionsgemeinschaft gegen Stechmücken setzt Hubschrauber ein
Von Jasper Rothfels
Römerberg. Bei seinem Einsatz gegen Stechmücken bekommt Hubschrauberpilot Thomas Förner es auch schon mal mit anderen Tieren zu tun. Zum Beispiel mit Raubvögeln. Als der 42-Jährige über den frisch überschwemmten Rheinauen bei Römerberg in der Pfalz ein Mückenbekämpfungsmittel ausbringt, nähert sich ein Vogel seiner Maschine mehrmals bis auf etwa 150 Meter. Die Tiere seien immer angriffslustig, sagt der Pilot, weil sie Revier und Brut verteidigen wollten.
Schließlich ist der Vogel verschwunden, und Förner dreht über den schillernden Wasserflächen und dem satten Grün zwischen Rhein und Altrhein weiter seine Runden. Über einen Knopf am Schalthebel kann er regeln, wann das Bekämpfungsmittel aus dem Behälter rieselt, der an Seilen unter dem Helikopter hängt. Wo das passieren soll, sieht Förner auf einer digitalen Landkarte, die er vor sich hat. Nach 20 Minuten ist der Behälter leer. Also Rückflug zum "Auftanken".
Der Hubschrauber spielt an diesem Tag die Hauptrolle bei der Bekämpfung der Stechmücken am Oberrhein. Grund für den Einsatz ist eine "mittelstarke bis kleine" Hochwasserwelle einige Tage zuvor, die am Pegel Speyer für einen Wasserstand von 4,50 Metern sorgte. "Ab drei Meter achtzig, vier Meter wird es für uns kritisch", sagt der wissenschaftliche Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs), der Biologe Norbert Becker.
Das Wasser überspült die Eiablage der Rheinschnaken, die Larven schlüpfen. Die Kabs soll verhindern, dass daraus Stechmücken werden. Ihr Einsatzgebiet reicht vom Kaiserstuhl im Süden bis nach Hessen im Norden und Bingen im Westen. Die Mückenbekämpfung ist eine länderübergreifende Sache. Bei Römerberg haben Helfer für Förner mehrere Kunststoffbottiche mit "Ladung" vorbereitet: gelbliches Eisgranulat mit malzartigem Geruch. Es enthält den biologischen Wirkstoff Bti, der Becker zufolge nur Mücken trifft. Über das vom Hubschrauber abgeworfene Granulat gelangt das Bti auf die Wasseroberfläche zu den Mückenlarven. Der Wirkstoff zerstört ihren Darm, und sie sterben. Bti ist nicht unumstritten. Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau befürchten, dass es auch Zuckmücken trifft, die eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel sind. Becker bestreitet das.
"Man geht nicht einfach raus und spritzt", sagt der ehrenamtliche Helfer, Holger Mistele. "Manche von uns sind alles abgegangen und haben geguckt: Wo sind Überschwemmungsflächen und welche haben Larvenbesatz?", erklärt Kabs-Mitarbeiter Mario Ludwig. Die Angaben werden in ein Computersystem eingegeben. Der Pilot sieht die markierten Flächen auf seinem Display. "Er weiß genau, wo er fliegen muss, und er weiß genau, was er bekämpfen muss", sagt Biologe Ludwig.
Nach seinen Angaben wurden im vergangenen Jahr 90 Prozent der Larven abgetötet. Am nächsten Tag werde kontrolliert, ob alles angekommen sei, sagt der Helfer Hermann Häusler. "Und wenn nicht, müssen wir halt mit der Hand nachspritzen." Mit Grausen erinnern sich die Helfer an die Zeit vor der Gründung der Kabs. Wegen der Schnaken sei die Arbeit an Baustellen eingestellt worden, "weil die Arbeiter sich geweigert haben, weiterzubauen", sagt Rentner Toni Hauk. "Und Fußballspielen nach 17 Uhr hat man vergessen können", erzählt Ludwig. Und heute? "Die Leute beschweren sich nicht mehr", sagt Häusler. "Die sagen: die Lebensqualität ist um über 100 Prozent gestiegen", so Hauk.