"Track & Safety Days" in Hockenheim: Tuner sehen sich als Schrauber, nicht als Poser
Von Anke Koob
Hockenheim. "Eisdielenfahrer wollen einfach nur auffallen", sagt Andreas Leißle. Er ist Tuner. Seine Welt teilt sich glasklar in zwei Hälften. Die, in der er seinen Ford Focus RS fast täglich mit einem profimäßigen Werkzeugsatz streichelt und die, in der Typen "mit dicken Karren" auf der Straße herumschleichen, um dann und wann den Motor aufjaulen zu lassen oder Gummi zu geben. "Ich habe echt ein Problem damit, dass Tuner solche Raser sein sollen", echauffiert sich der junge Mann aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd: "Das sind wir nicht." Tuner haben mit Posern nichts zu tun. Und es reicht den Tunern langsam, ständig mit den anderen in einen Topf geschmissen zu werden, die den Bürgern vor allem in Mannheim das Leben schwer machen und der Verkehrspolizei eine eigene Ermittlungsgruppe abtrotzen.
Um Leißle herum toben gerade Motorräder und PS-starke Muskelpakete über den Asphalt des Hockenheimrings. Er freut sich, endlich einmal seinen liebevoll aufgemotzten Wagen in Extremsituationen zu fahren: Slalom, Sliden, Kurvenfahrt auf nasser Fahrbahn und Ausweichen.
Ob sich das ein Poser antun würde? Schließlich fuhr Leißle, genau wie rund 99 andere Fahrzeugbegeisterte, eigens für einen Tag nach Hockenheim, um bei den "Track & Safety Days" Gleichgesinnte zu treffen. Dass die dann auch schon mal Polizeiuniform tragen, findet er gut. So kann man sich mal fernab von Polizeikelle und Bußgeldkatalog über gutes Tuning unterhalten.
Was den Leuten mit Spoiler & Co. auf der Seele liegt, weiß Polizeihauptkommissar Bodo Erhardt genau. Er ist Teil des Workshop-Angebotes bei den Tuner-Tagen auf dem Ring, schaut sich die Wagen genau an, gibt Hinweise und sagt: "Die wollen auffallen und als Individuum anerkannt werden." Für ihn hat das tiefer gehende Wurzeln in der Geschichte der Automobile. Poser hingegen, so betont er, "legen es darauf an, mit Extremumbauten aufzufallen."
Wenn ihm Tuner genervt berichten, dass "sie nicht mehr nach Mannheim oder Kaiserslautern fahren können, ohne von der Polizei kontrolliert zu werden", dann gehört das zum Alltag: "Dabei betonten sie, dass sie sich nur mit Freunden treffen wollen. Es geht ihnen tatsächlich nicht darum, dass ihr Auto laut und breit ist und sie drei Mal die Straße hoch und runter fahren, damit sie auch gehört werden."
Doch genau dieses direkte und absolute Auftreten ist es, was seiner Meinung nach Poser ausmacht. "Die mieten oder kaufen sogar Edelfahrzeuge, die bereits vom Hersteller getunt und extra leistungsstark sind." Das sind dann ihre Ventile und ihre Kompensation in der Öffentlichkeit. "Die fordern die Kontrolle heraus, wollen aber die Konsequenzen nicht tragen", so der erfahrene Polizeibeamte: "Die gehen ganz bewusst immer an die gleiche Stelle." Andreas Leißle und sein Kumpel nicken.
Einer, der sich einen AMG leiht, um aufzufallen, den können sie eh nicht ernst nehmen. Sie sind Schrauber, basteln an ihren Fahrzeugen und geben schon mal ein Monatsgehalt für neue Folien oder LED-Lichter aus: "Ich mache alles selbst", betont Leißle, "aber mein Auto muss in aller Legalität funktionieren. Es ist dafür gemacht, um Kurven zu fahren und das soll es auch können." Auf dem Land, wo er wohnt, könne man ohnehin nicht das Fahrwerk bis zu den erlaubten acht Zentimetern tiefer legen. "Bei uns gibt es keine abgesenkten Bordsteine", beschreibt er die Straßenverhältnisse dort. Da scheide per se auch das Rasen aus. Warum sollte man auch so schnell fahren? "Nicht jeder, der seinen Wagen verändert, ist automatisch ein Raser", bestätigt Polizist Erhardt.