Mosbach: Wo geht’s denn hier zum Notar?
Von Ursula Brinkmann
Mosbach. Ein wenig verwirrend ist es schon. Da sucht man, weil es um eine Beurkundung geht, nach dem Notariat in Mosbach und stößt auf Berlin. Anja Berlin und Christoph Strauß tun seit dem 1. Januar, was sie davor auch taten, nur eben als selbstständige Notare.
Im Landgerichtsbezirk Mosbach sank die Zahl der Notariatsstandorte von acht auf vier, die der Nachlassgerichte von acht auf eines; das Nachlassgericht war den Notariaten angeschlossen und ist nun beim Amtsgericht Mosbach angesiedelt.
"Wir mussten uns überlegen, ob wir in die Freiberuflichkeit gehen oder im Landesdienst verbleiben wollen, wo wir unsere Beurkundungsbefugnis verloren hätten", sagen Berlin und Strauß. Die beiden Notare wählten den Weg in die Selbstständigkeit. "Vor etwa zwei Jahren wussten wir: das machen wir zusammen", erinnert sich Anja Berlin im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung.
Denn im ländlich-kleinstädtischen Bereich sei es von Vorteil, wenn alle notariellen Tätigkeiten abgedeckt werden können. Wer ein Grundstück (ver)kauft, erbt oder vererbt, ein Unternehmen oder einen Verein gründet, eine Vollmacht erteilen will oder eine Beglaubigung braucht, benötigt nach wie vor den Notar. "Unser Spektrum ist groß geblieben", sagt Strauß und erlebt die Zusammenarbeit mit Kollegin Berlin sowie dem gesamten bald elfköpfigen Mitarbeiterstab als "Win-win-Situation".
Abstimmung mit dem/der jeweils anderen sei zwar immer notwendig, "aber wir ergänzen uns ja auch", benennt Anja Berlin die Vorteile des gemeinsamen Büros. "Wir sind viel besser aufgestellt." Dazu zählt auch, dass jenes Büro mit mehr als 400 Quadratmetern auf zwei Etagen erheblich größer als das alte Notariat ist.
Die Rückmeldungen bestätigen den beiden, dass die großzügigen, modernen Räumlichkeiten und das größere Team von den Kunden wahrgenommen und geschätzt werden. Dazu zählt ebenso, dass aktuell an den Wänden Bilder der Mosbacher Künstlerin Elke Vater zu sehen sind.
Expressiver Farbauftrag, immer wieder ergänzt durch andere Materialien, kennzeichnen ihre nicht gegenständliche Malerei. In Zukunft möchten Berlin und Strauß weiteren Künstlern Gelegenheit geben, mit Werken in der Öffentlichkeit ihres Notariats zu wirken. "Auch das ist eine typische Win-win-Situation", findet Christoph Strauß.
Nur eines gestaltet sich noch mühsam: das Auffinden des Notariats. War es früher in der Hauptstraße gewesen, findet manches Navi die neue Adresse in der Bertl-Bormann-Straße 6 nicht. Dass die Adresse überhaupt in Google Maps vermerkt ist, haben Berlin und Strauß selbst veranlasst.
Der innenstadtnahe Standort ist den beiden neben den guten Parkmöglichkeiten auch deshalb recht, weil Kunden nach einem Notartermin (etwa der Unterzeichnung eines Kaufvertrages oder einer Testamentsangelegenheit) nach Möglichkeiten für ein anschließendes Beisammensein (in einer Gaststätte) suchten. "Da kommen doch immer wieder Menschen aus ganz verschiedenen Gegenden zusammen, die sich nicht alle Tage sehen."
Das Auffinden im Netz gelingt schon besser. Wer allerdings in einer Suchmaschine das "Notariat Mosbach" eingibt, stößt ganz oben in der Liste auf eine Website des Justizministeriums, das über die Notariats- und Grundbuchamtsreform informiert, nicht aber darüber, wohin man sich mit seinem Anliegen nun wenden kann.
Doch schon an zweiter Stelle tauchen die Namen von Berlin und Strauß auf. "Werben dürfen wir nicht", sagt Christoph Strauß, "denn wir sind nach wie vor Träger eines öffentlichen Amtes." Unabhängige Träger. In manchem sind die freiberuflichen Notare freier (und die Kunden bei der Wahl des Notariats ebenso), nur nicht bei den Gebühren. "Die sind bundesweit festgelegt", meint Anja Berlin, und Christoph Strauß fügt hinzu: "Bei uns ist die Beratung in der Gebühr drin!"