Eberbach-Pleutersbach: Kinder dürfen eigenen Garten pflegen
Von Jonas Haaß
Eberbach-Pleutersbach. Vielen Kindern, die nicht auf dem Land aufwachsen, fehlt heute der Bezug zur Natur. Obst und Gemüse kennen sie nur noch aus dem Supermarktregal. Dass beispielsweise die Tomaten nicht dort, sondern an Sträuchern wachsen, erfahren die Kinder der "Bärengruppe" im evangelischen Kindergarten "Arche Noah" jetzt in Pleutersbach ganz praktisch.
Erzieherin Jutta Storck wohnt in der Nähe der im Dorf "Schulgarten" genannten Wiese beim Dorfgemeinschaftshaus (das früher einmal eine Schule war). "Dass der Boden hier sehr fruchtbar ist, wusste ich schon länger", meint Storck, die deshalb auf die Idee kam, ein ungenutztes Stück für den Kindergarten zu nutzen.
Nachdem auch ihre Kolleginnen Sabine Bund und Martina van Vossen von der Idee angetan waren, gab auch Grundstücksbesitzer Reinhard Gehrig sein Einverständnis. So konnte das aktuelle Thema "In der Erde ist was los" auch praktisch behandelt werden.
Im Mai 2017 begann dann die "Bärengruppe", jeden Montag mit dem Bus nach Pleutersbach zu fahren. Bei der Ausstattung des Geländes konnten sich die Erzieherinnen auf die Eltern verlassen. "Das Gartenhaus, die Geräte, den Tisch - das alles haben uns die Eltern gespendet", freut sich Jutta Storck.
Da auch das Geld für die Bus-Fahrkarten durch einen Waffelverkauf in der "Arche Noah" erwirtschaftet wurden konnte, kamen auf den Kindergarten keine weiteren Kosten zu. Nachdem man anfangs immer zum Friedhof gehen musste, um in Kanistern Wasser für die Gartenarbeit zu holen, wurde inzwischen auch ein großer Kanister zum Auffangen von Wasser gespendet.
Im Gelände bekommen die Kleinen unterschiedliche Aufgaben. Sie pflanzen neue Sträucher ein, jäten und schoren die Beete oder graben Löcher. Dabei wird spielerisch deutlich, wie mit den Pflanzen im Garten umzugehen ist. "Kinder gehen nur mit Dingen sorgfältig um, die sie auch kennen", sagt Storck.
Während sie am Anfang noch achtlos durch die Beete gelaufen seien und Schnecken als positiv empfunden hätten, habe sich das inzwischen geändert. Bei der Bewegung achten jetzt alle auf den Schutz der Gewächse und sammeln die Schnecken auf, damit diese nicht mehr zum Beispiel die angebauten Erdbeeren abfressen. Aber auch eigentlich nutzlos aussehende Dinge wie ein Holzhaufen werden immer wieder benutzt, denn "es wird jedes Mal etwas Neues damit gebaut", hat die Erzieherin festgestellt.
Zusätzlich werden auch kreative Aktionen wie das Malen mit Erde in Pleutersbach durchgeführt. Generell trägt der Garten inzwischen erste Früchte. Neben Erdbeeren wurden auch Kartoffeln und Tomaten angepflanzt, die die Gärtnerei Emmerich gespendet hat. Das gewachsene Gemüse findet beispielsweise bei Erklärungen auch im Kindergarten-Alltag Anwendung.
Aber auch bei den Kindern bleibt so einiges an Wissen hängen. Nachdem über den Winter witterungsbedingt keine Besuche stattfanden, wussten alle auch im Frühling noch, wie die verschiedenen Gartenarbeiten funktionieren. Damit zeigt sich also der pädagogische Effekt des Gartens.
Auch die anderen Gruppen der "Arche Noah" kommen natürlich in Kontakt mit der Natur. Sie besuchen wöchentlich die Waldgebiete rund um Eberbach. Das Spezielle in Pleutersbach ist, dass die Kinder durch das Umfeld in Kontakt mit dem Dorfleben kommen, selbst wenn sie in der Kernstadt wohnen. Mindestens bis zum Erntedank wird die Aktion fortgeführt. Wie es danach weitergeht, steht bisher noch nicht fest, denn dann wird sich die Bärengruppe einem neuen Thema widmen.