Randale bei der Waldhof-Relegation: Mannheimer verurteilen Gewaltausschreitungen
Von Volker Endres und Olivia Kaiser
Mannheim. Am Tag nach den heftigen Ausschreitungen während und nach dem Relegationsspiel des SV Waldhof gegen den KFC Uerdingen überwiegen bei Mannheimer Bürgern und Kommunalpolitikern Fassungslosigkeit ob der ungezügelten Aggression, aber auch Enttäuschung darüber, dass ein paar wenige Gewaltbereite, der Mannschaft und dem Verein, für den sie selbst mitfiebern, einen solchen Bärendienst erwiesen haben.
Jürgen Wasow hat in der kompletten Jugendzeit beim SV Waldhof Fußball gespielt und weiß: "Es ist ein sehr schwieriges Thema, bei dem auch keine pauschalen Verurteilungen helfen. Traurig ist, dass es wirklich nur ein sehr kleiner Teil der Zuschauer ist, die für solche Vorfälle verantwortlich sind." Gleichzeitig betont der 53-Jährige, dass es erst einmal im Uerdinger Block rund gegangen sei, wo Uerdinger auf Waldhof-Fans losgegangen seien. Wasow übt Kritik am Sicherheitskonzept: "Meiner Meinung nach hat schon das Sicherheitskonzept versagt, weil man beide Gruppen nur ungenügend voneinander getrennt hat. Als dann kurz vor Schluss die Raketen aufs Feld geflogen sind, habe ich noch kurz auf eine Momentaufnahme gehofft, bei der auch Frust dabei war. Aber als danach weiter die Böller auf den Rasen geflogen sind, war mir klar, dass die Jungs es heute durchziehen. Ich finde das alles unendlich traurig."
Obwohl der SV Waldhof in dieser Saison schon abgeschlagen war, habe er sich wieder gefangen und eindrucksvoll die Relegation erreicht, lobte Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz die Mannschaft und betonte, welch großen Rückhalt das Team in der Stadt habe. Für die Geschehnisse findet er deutliche Worte: "Sie zeigen, dass dennoch die Zeit für den Aufstieg auch jenseits des Sportlichen offensichtlich nicht reif war. Der Spielabbruch ist der traurige Höhepunkt einer sogenannten ,Fankultur’, die wir endlich überwinden müssen. Die Folgen für den Verein sind noch nicht absehbar. Er hat dies aufzuarbeiten, aber auch Polizei und Stadt haben die Aufgabe, die Geschehnisse genau zu analysieren und Konsequenzen zu ziehen. Mir tut es leid um die Mannschaft, das Trainerteam, ebenso auch um die Fans, die Sport erleben und ihren Verein unterstützen wollten."
Pamela Gutmann hat ebenfalls eine klare Meinung zu den Krawallmachern: "Leute, die so etwas machen, haben in ihrem Leben nie Sport getrieben oder sie verstehen nicht, worum es beim Sportsgeist geht." Auch sie kritisiert das Sicherheitskonzept: "Ich verstehe nicht, warum die Sicherheitskräfte nicht eingegriffen haben. Es ärgert mich, dass am Ende wieder die Polizisten den Schwarzen Peter haben. Ich finde das Ganze einfach nur schrecklich und wäre für die Verursacher, aber auch ihr gesamtes Umfeld für wesentlich härtere Strafen."
Damit ist die 50-jährige Mannheimerin ganz auf Linie mit einigen Vertretern der CDU-Fraktion, denn auch die fordert ein konsequentes Vorgehen gegen die Randalierer. "Vermummte Kriminelle haben das Fußballspiel missbraucht, um mit Krawall, Chaos und Randale Tausende Menschen zu gefährden", heißt es in ihrer Erklärung. CDU-Fraktionschef Claudius Kranz und seine beiden Stellvertreter Steffen Ratzel und Bundestagsmitglied Nikolas Löbel sind Mitglied beim SV Waldhof. Sie fordern den Verein und den Fandachverband PRO Waldhof auf, gemeinsam mit Polizei, Ordnungskräften und Stadtverwaltung die Geschehnisse aufzuarbeiten und konsequent gegen die Kriminellen vorzugehen. "Sie haben dem Verein und der Stadt Mannheim erheblich geschadet", erklärte Claudius Kranz.
Ralf Philipp ist eigentlich FCK-Fan: "Daher hat mich das Spiel nur am Rand interessiert. Allerdings bin ich auch Mannheimer, und es ist einfach schade, dass ein Verein sich so präsentiert und ein bundesweites Bild von den ,asozialen Mannheimern’ zeichnet." Dabei sei es nur eine kleine Minderheit, die sich so gebärde. Der Speditionskaufmann betont zudem: "Gerade wegen solcher Idioten darf sich der SV Waldhof nicht wundern, dass er in der Mannheimer Geschäftswelt einen schweren Stand hat."
Stadträtin Andrea Safferling, sportpolitische Sprecherin der SPD-Gemeinderatsfraktion, ist entrüstet: "Es wurde ein Scherbenhaufen hinterlassen. Nun ist eine schonungslose Aufklärung notwendig. Insbesondere der Verein ist nun gefragt. Solche Vorfälle dürfen sich nicht wiederholen. Deutlich geworden ist jedoch auch, dass sich dringend die Vereinsführung, Fanorganisationen und Öffentlichkeit gemeinsam darüber verständigen müssen, wie die gewaltbereiten Spinner, denen offensichtlich jedes Mittel Recht ist, um den Ruf des Vereins nachhaltig zu zerstören, in Zukunft ausgegrenzt werden können. Ebenso ist das gesamte Sicherheitskonzept auf den Prüfstand zu stellen."
Ihr Parteikollege Reinhold Götz erklärt: "Das hatte überhaupt nichts mit Fankultur zu tun, das sind die Totengräber des Fußballs. Vereinsvorstand und Aufsichtsrat müssen klare Kante zeigen, um den immensen Schaden für den Verein und das Ansehen unserer Stadt in Grenzen zu halten." Den Verletzten wünsche man schnelle Genesung.