Schöne Aussicht statt Stau: Heidelberger Seilbahn soll Verkehrsprobleme im Neuenheimer Feld lösen
Von Holger Buchwald
Heidelberg. Eine Seilbahn von einem neuen Parkhaus am Autobahnkreuz Heidelberg über den S-Bahnhof-Pfaffengrund/Wieblingen hin bis zur Kopfklinik auf der anderen Neckarseite: So könnten nach Ansicht von Sören Michelsburg, stellvertretender Vorsitzender der SPD Heidelberg, einige Verkehrsprobleme des Neuenheimer Feldes gelöst werden. "Das ist kein Hirngespinst", sagt der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft "Smart Mobility". Große Seilbahn-Hersteller wie Leitner aus dem Südtiroler Sterzing hätten bereits ähnliche Projekte in Ankara oder Tiflis umgesetzt.
"Dieses Fortbewegungsmittel ist sehr umweltfreundlich, braucht wenige Pfosten und kann bis zu 4500 Personen pro Stunde befördern", schwärmt Michelsburg, der sich gerade erst bei den großen Kabinenherstellern erkundigte, ob so eine Lösung prinzipiell auf Heidelberg anwendbar sei. Der Vorschlag der SPD erinnert an die Idee des Büros "Studio Mobile Concepts" der Architekten Nils Herbstrieth und Uwe Weishuhn, die für das Neuenheimer Feld eine Hochbahn als Nahverkehrsmittel vorschlugen.
Michelsburg präferiert hingegen die einfachere und filigranere Variante einer Seilbahn. An der Endstation an der Kopfklinik könnten autonome Elektrobusse, die per App geordert werden, die Passagiere weiterverteilen, so seine Zukunftsvision. Michelsburg: "Für eine Haltestelle ist an der Kopfklinik genug Platz."
Was für manche wie Science Fiction klingen mag, meint Michelsburg durchaus ernst, um die Diskussion um den Masterplan für das Neuenheimer Feld zu befeuern. Die Idee einer Seilbahn kam der SPD-AG "Smart Mobility" nach einer Umfrage unter den Beschäftigten des Neuenheimer Feldes. Mit Flyern, die sie an drei Tagen an Pendler verteilten, machten sie auf ihre Aktion aufmerksam.
Immerhin 417 Beschäftigte von den Unikliniken über das Deutsche Krebsforschungszentrum bis zum Springer-Verlag beteiligten sich. Und nach der Auswertung ist Michelsburg überzeugt: "Das größte Problem im Neuenheimer Feld ist, dass der Nahverkehr nicht konkurrenzfähig ist."
80 Prozent der Befragten, die mit dem Nahverkehr ins Neuenheimer Feld pendelten, seien mit dem Verkehrsmittel unzufrieden, berichtet Michelsburg. Damit erreichten Bus und Bahn ähnlich schlechte Werte wie das Auto. "Die meisten der Befragten nutzen den Nahverkehr widerwillig", sagt Michelsburg. Viele von ihnen, weil sie kein eigenes Auto haben und die Entfernung zum Wohnort mit dem Fahrrad zu weit wäre.
Als kurzfristige, leicht umsetzbare Lösungsvorschläge, um die Attraktivität des Nahverkehrs zu erhöhen nennt Michelsburg eine direkte Busverbindung mit der Linie 37 vom Hauptbahnhof in den Campus. Bisher müssen die Fahrgäste am Bunsen-Gymnasium umsteigen.
Die Beschäftigten, die nach wie vor mit dem Auto ins Neuenheimer Feld kommen, wollen vor allem zeitlich unabhängig sein. 70 Prozent der befragten Autofahrer wünschen sich aber eine bessere Anbindung des Neuenheimer Feldes. Damit meinen sie nicht nur eine Fünfte Neckarquerung oder einen Nordzubringer durch das Handschuhsheimer Feld, sondern auch eine verbesserte Ampelschaltung.
Zudem wünschen sie sich eine Haltebucht für Busse an der Pädagogischen Hochschule, damit sie dort problemlos vorbeifahren können. Weitere Möglichkeiten seien Park-and-Ride-Plätze an der Autobahn bei Dossenheim mit Shuttle-Verbindung direkt ins Neuenheimer Feld.
All diese kurz- und langfristig umsetzbaren Vorschläge - unter anderem auch mehr Fahrradabstellplätze an den Instituten, bessere Radwegebeschilderungen und ein zweispuriger Einbahnstraßenverkehr durch das Neuenheimer Feld - möchte die SPD nun weiter diskutieren - und vieles davon in ihr Kommunalwahlprogramm einfließen lassen.