Hardheim: "Katz-und-Maus-Spiel" mit dem Biber
Hardheim. (adb) Seit Mitte des 19. Jahrhunderts galt er in Baden-Württemberg als weitestgehend ausgerottet, ehe er sich nach und nach sein Terrain zurückeroberte: der Biber. Allein im "Ländle" sind Schätzungen des BUND zufolge rund 2000 Biber heimisch geworden - auch in Hardheim, was abgenagte Baumstämme und Dämme im Hardheimer Bach unweit der Aral-Tankstelle beweisen.
"Mittlerweile gibt es sie wieder fast überall", informiert Bauhofleiter Markus Alter auf Anfrage der Rhein-Neckar-Zeitung und verweist auf die Bereiche rund um die "Wohlfahrtsmühle", den Bücholdsee und auch Gebiete auf Erfelder Gemarkung, wo schon Biber gesichtet wurden. Es gäbe ganze Biberfamilien, die jedoch die Jüngsten eines Tages verstoßen: "Die Jungtiere müssen sich daraufhin ihr eigenes Revier suchen und wandern durch die Landschaft", zeigt Alter auf. Im Bereich des Radwegs nach Schweinberg sei der Biber "vermutlich seit Spätsommer 2017" ansässig, wie er konstatiert. Die naturbelassene, von Tümpeln und Buschwerk geprägte Vegetation rund um den Wirtschaftsweg sei "ideal für den Biber".
Allerdings könne man das Tierchen nicht sich selbst überlassen: Die durch den Biber gebauten Dämme tragen dazu bei, dass der Hardheimer Bach regelmäßig über die Ufer tritt und den nahen, auch im Winter gut frequentierten Rad- und Wanderweg überschwemmt. "Hier war ein rasches Handeln nötig - daher haben wir uns gemeinsam mit dem Naturschutzbeauftragten vor Ort ein Bild der Lage gemacht und ausgelotet, was man tun könnte", erklärt Alter.
Jenes Gespräch ergab, "dass wir die Dämme nicht abbrechen, aber zumindest öffnen dürfen", wie er betont. Diese Aufgabe obliegt Bauhofmitarbeiter Roland Merz, der von Markus Alter abgeordnet wurde: Täglich kontrolliert er die gebauten Dämme, was jedoch ein wahres "Katz-und-Maus-Spiel" bedeutet, auf das der Bauhofleiter gegenüber der RNZ hinweist: "Egal, wie viel morgens abgebaut wird - der Biber richtet es durch die Nacht wieder auf", erklärt er.
Doch hat die Gemeindeverwaltung noch einen "Plan B" in der Hinterhand, den Markus Alter kurz umreißt: "Man könnte im Zweifelsfall problemlos einen Erdwall entlang des Hardheimer Bachs aufschütten, damit der Biber in seinem Habitat bleiben kann, der Radweg aber durch die aufgebauten Dämme nicht mehr überschwemmt werden kann!"
Diesbezüglich sorgte vor allem der zum Jahreswechsel einsetzende Starkregen bereits für Probleme: "Die angrenzende Wiese und der Weg sind übergelaufen, das machte eine gefahrlose Nutzung kaum möglich", blickt er zurück und kommt in diesem Zusammenhang auf eine wichtige Aufgabe der Gemeindeverwaltung zu sprechen: "Die Kommune steht in der Pflicht, die Nutzer öffentlicher Straßen und somit auch des Rad- und Spazierwegs zu schützen. Gesetzt den Fall, die Temperaturen fallen im Winter noch einmal unter den Gefrierpunkt und verwandeln das auf dem Weg stehende Wasser in Glatteis, hätten wir verloren. Und das gilt es im Sinne aller zu verhindern!"
Sicherheitstipps für Mensch und Tier hat auch Jürgen Lesch als Sprecher der Hardheimer NABU-Gruppe auf Lager: "Man kann bedenkenlos spazieren gehen, sollte den Biber aber nicht stören und beispielsweise weder Gegenstände ins Wasser werfen noch an den Staudämmen herumzerren - auch laute Geräusche verträgt der Biber nur schlecht", rät er. Gleichsam seien Wanderungen mit Hunden, die etwa ins Wasser gehen könnten, in diesem Bereich aktuell eher mit Vorsicht durchzuführen.