Rückkehr zum Frontalunterricht: CDU will bildungspolitisches "Laissez-faire" beenden
Von Roland Muschel, RNZ Stuttgart
Stuttgart. Als Reaktion auf das schlechte Abschneiden baden-württembergischer Schulen bei mehreren Vergleichsstudien fordert der Generalsekretär der Südwest-CDU, Manuel Hagel, eine Stärkung der Rolle der Lehrer und eine Rückkehr zum Frontalunterricht. "Die Zeiten eines überbordenden Laissez-faire in der Bildungspolitik sollten wir hinter uns lassen. Was wir brauchen, ist eine Fokussierung auf Qualität und Leistung", sagte Hagel unserer Stuttgarter Redaktion.
Konkret fordert der CDU-Politiker "mehr disziplinarische Durchgriffsmöglichkeiten für Lehrer" gegenüber auffälligen oder gewalttätigen Schülern. "Wir wollen den Lehrern bewusst den Rücken stärken." Gleichzeitig macht sich der enge Vertraute von CDU-Landeschef und Vize-Ministerpräsident Thomas Strobl für eine "Anwesenheitspflicht für Lehrer" an den Schulen auch nach dem Unterricht "im Sinne der 41-Stunden-Woche" stark. Das solle auch die Ferienzeit "in sinnvollem Maße" einbeziehen. Ebenso sollten Weiterbildungsmaßnahmen auch "verpflichtend" in Ferienzeiten stattfinden können.
Die bildungspolitischen Vorstöße sind Teil der "Schöntaler Erklärung", die die Mandats- und Funktionsträger der Südwest-CDU bei einer Klausurtagung am Samstag beschließen wollen. "Verpflichtende Diktate sowie verpflichtendes Schönschreiben stärken die Schreib- und Lesefähigkeit" der Schüler, heißt es in der Entwurfsfassung. Diese dürften genauso wenig aus dem Klassenzimmer verbannt werden "wie der Frontalunterricht als effektive Unterrichtsform im Gegensatz zum selbstorganisierten Lernen". Das Papier macht sich zudem für "Notengebung auch in Zeugnissen an Gemeinschaftsschulen" stark. "Wir wollen besten Unterricht - bei Inhalten und Methodik", sagte Hagel.
Mit den Forderungen grenzt der Generalsekretär die Südwest-CDU scharf von der Reformpolitik der alten grün-roten Landesregierung ab. Das Papier dürfte daher einigen Wirbel auslösen - auch innerhalb der grün-schwarzen Regierungskoalition.