Heidelberger Kammermusikfestival: Fachgruppe Gesang der Mannheimer Musikhochschule zu Gast in der Alten Aula
Von Rainer Köhl
Heidelberg/Mannheim. Glockenklar, lieblich und frisch timbriert, machte Giorgia Cappello den Anfang mit Bachs Arie "Flößt, mein Heiland". Ganz neu nach Mannheim gekommen ist Juhyun Park. Mit zwei Liedern aus Debussys "Ariettes Oubliées" imponierte die südkoreanische Sopranistin nachhaltig. Eine feine Höhe, zart-betörende Valeurs, schmiegsam weiche Aufschwünge, alles blitzsauber intoniert. Und an Leidenschaftlichkeit ließ sie es gleichfalls nicht fehlen. Beste Anlagen einer vielversprechenden Virtuosin hat die beherzt singende Sopranistin, das zeigte sich auch in einer Arie aus Massenets "Manon", der sie glühende Entschlossenheit gab und mit feinen Nuancen sowie perfekt beherrschten Valeurs begeisterte.
Eine sehr eindruckvolle Stimme hat Quian Liu, die drei Brahms-Lieder sang. Edel und dunkel timbriert, klangvoll durchglüht war der Vortrag der chinesischen Sopranistin. Mit Mozarts Arie "Non piu di fiori" empfahl sich Ahreum Han, die eine warme, farbenreiche Mezzostimme und schmiegsame Lyrik schön leuchten ließ. Überragend aber war die Sopranistin Jieun Jeong, die kostbar klingende Valeurs wunderbar schmiegsam ausschwingen ließ, die heilige Atmosphäre von Liszts Lied "I vidi in terra angelici costumi" mit zarter Sinnlichkeit erfüllte. Eine sehr feine Gestalterin, das zeigte sich auch bei ihrem Vortrag von zwei Poulenc-Liedern: Wunderbar weich einschwingende Legatobögen, fein dosierte Abstufungen und betörende Farben eröffnete sie dabei. Kurzum: Eine Sängerin mit einer glänzenden Perspektive.
Felicity Förster ist erst am Anfang ihres Studiums, aber auch sie bringt schon beste Anlagen für den Sängerberuf mit: Ausstrahlung und Beherztheit. Mit fruchtig klingender, schlanker Sopranstimme und süffisantem Humor sang sie zwei Lieder von Schönberg. Mit einer Händel-Arie trat die Mezzosopranistin Pauline Jordan an, gab den Koloraturen Schwung und Attacke.
Und auch die Herren machten gute Figur in der Runde: Stilvoll, mit schönem Timbre und prächtiger Höhe sang der Tenor Shengwu Ou zwei Rossini-Lieder, sonore Pracht entließ sein Fachkollege Tae Hwan Yun aus zwei Fauré-Liedern. Dass die Arien des Tom Rakewell aus Strawinskys "The Rake’s Progress" sehr heikel sind, musste er gleichwohl erfahren.