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Trump besucht New York: "Er hätte besser zu Hause bleiben sollen"

Die Stadt New York ist im Sportfieber. Allerdings nicht wegen der bald startenden Fußball-WM, sondern wegen der Basketball-Meisterschaft. Die Erfolgswelle will auch US-Präsident Trump für sich nutzen. David Schafbuch berichtet aus New York Der Abend beginnt für Donald Trump mit einem zufriedenen Lächeln. Gerade läuft die amerikanische Nationalhymne im New Yorker Madison Square Garden. Gleich beginnt das dritte Spiel in der Endrunde der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA – und Trump lauscht der Hymne, er salutiert im Stehen. Für den Präsidenten ist dieser Moment keine Alltäglichkeit. Noch nie hat ein amtierendes US-Staatsoberhaupt ein Spiel im Finale der NBA persönlich besucht. Die New York Knicks sind sein Lieblingsteam; sie in seiner Heimatstadt anzufeuern, wollte sich der Präsident nicht entgehen lassen. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Besuch in New York: Trump wird ausgebuht Die fast 20.000 Besucher im Madison Square Garden reagieren auf den hohen Besuch allerdings wenig begeistert: Als Trumps Gesicht während der Hymne über die Videobildschirme flimmert, quittieren sie das mit lauten Buhrufen. Ähnlich fallen die Reaktionen auch außerhalb der Halle aus. Das Spiel hat nicht nur für den Präsidenten eine besondere Bedeutung, sondern für ganz New York. In knapp sechs Wochen wird zwar das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft nur wenige Kilometer westlich des Madison Square Garden angepfiffen. Doch für die Bewohner der Stadt ist von weitaus größerer Bedeutung, ob ihr Klub in wenigen Tagen die US-Basketballmeisterschaft gewinnt. Zwei Siege zur Meisterschaft An diesem ersten Finalspiel in New York zeigt sich nicht nur, wie die Millionenmetropole bei einem sportlichen Großereignis zusammenrückt. Sondern auch, wie Donald Trump ein solches Sportevent für sich zu kapern versucht. Die New Yorker bleiben davon allerdings unbeeindruckt, ja, manche ärgern sich geradezu darüber. Wie der Rest der Welt bei der WM darauf reagiert, bleibt abzuwarten. Vier Siege braucht es, um die NBA-Meisterschaft zu gewinnen. Die ersten beiden Spiele haben die Knicks auswärts gegen die San Antonio Spurs aus Texas bereits für sich entschieden. Würden sie an diesem Abend gewinnen, wäre ihnen der Titel sicher. Für die New Yorker würde damit ein Traum in Erfüllung gehen und eine lange Durststrecke enden: Die letzte Meisterschaft feierte das chronisch erfolglose Team vor 53 Jahren. Letzte WM vor 32 Jahren Dagegen ist selbst eine Fußball-WM alltäglicher: Die USA , im Männerfußball wahrlich keine Erfolgsmannschaft, hatten bereits 1994 eine Weltmeisterschaft ausgerichtet. Damals fanden entscheidende Spiele des Turniers in East Rutherford in der Nähe von New York statt. In diesem Jahr wird dort sogar das Finale ausgetragen. Sean Jackson kann sich zwar noch an 1994 erinnern. Aber echter Fußball-Fan ist der gebürtige New Yorker nicht. Ein paar Spiele will er sich trotzdem ansehen. Eine Fußball-WM komme und gehe eben: "Aber die Knicks, die gehören für immer zu New York", sagt Jackson, während er am Nachmittag auf den Eingang des Madison Square Garden blickt. Für ihn seien diese NBA-Finals "die größte Sache seit Barack Obama ." Der groß gewachsene schwarze Mann ist komplett in Fankleidung gehüllt: Mütze, Trikot und Hose. Alles erstrahlt im Blau, Orange und Schwarz der Knicks. Obamas Nachfolger weckt bei Jackson dagegen weniger Begeisterung. Er erkennt zwar an, dass Trump ein echter New Yorker ist. "Und als New Yorker hat er auch das Recht, hier zu sein." Ärgerlich sei jedoch, dass wegen seines Besuchs das Sicherheitskonzept für das Spiel geändert werden musste. "Ich hätte viel lieber hier draußen noch mehr Fans gesehen", sagt Jackson. Festnahmen und Messerangriff Tatsächlich hatte die Stadt eigentlich ein großes, kostenloses Public Viewing vor der Halle geplant. Denn die teuren Karten für das Spiel können sich die wenigsten New Yorker leisten: Die besten Plätze wurden am Montag im Internet für fast 70.000 Dollar angeboten. Auch in den günstigsten Kategorien wurden Preise im mittleren vierstelligen Bereich aufgerufen. Doch die Übertragung vor der Halle wurde wegen Trumps Besuch kurzfristig abgesagt. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit dem Sicherheitsdienst des Präsidenten, dem Secret Service, getroffen worden, teilte die New Yorker Polizei gut 24 Stunden vor Beginn des Spiels mit. Das Weiße Haus hatte den Besuch erst am Freitagabend öffentlich gemacht: Für Termine des Präsidenten sind solche vergleichsweise kurzfristigen Bekanntmachungen nicht ungewöhnlich. Gleich zwei Vorfälle rund um das Finale hatten zudem Aufsehen erregt: Nach dem Public Viewing im zweiten Spiel war es zu tumultartigen Szenen auf der Straße gekommen. Die Polizei nahm dabei mehr als ein Dutzend Menschen fest. Am Sonntag verletzte außerdem ein Mann am Bahnhof Penn Station, der sich direkt unter dem Madison Square Garden befindet, sechs Menschen mit einem Messer. Die Folgen des neuen Sicherheitskonzepts sind schon Stunden vor dem Spiel zu sehen. Vor der Halle haben sich an verschiedenen Punkten Dutzende Polizisten zusammengefunden. Währenddessen werden immer weitere Absperrgitter aufgestellt. Teilweise sind die Zäune mehrere Meter hoch. Einzelne Mitarbeiter des Secret Service umkurven die Halle. Manche führen Spürhunde an der Leine, andere ein Maschinengewehr mit sich. Bereits gegen 16 Uhr ist um den Madison Square Garden eine Bannmeile über mehrere Häuserblocks hinweg errichtet. "Hätte besser zu Hause bleiben sollen" Louie Rodriguez, tätowierte Arme, schwarzes Trikot, langer, dunkler Bart, zeigt in Richtung der Polizisten: "Schau dir an, was wegen Trump hier los ist", sagt er. Rodriguez ist extra aus Florida für das Spiel angereist. Er ist in der Bronx aufgewachsen und schon sein Leben lang Fan der New York Knicks. Rodriguez ist sich sicher: Ohne Trump wäre die Veranstaltung für alle Fans wohl angenehmer gewesen. "Er hätte besser zu Hause bleiben sollen." Wenig später steht der Verkehr um die Halle größtenteils still. Auf der Seventh Avenue, auf der sich vor der Arena für gewöhnlich die Autos im Schneckentempo fortbewegen, ist es plötzlich leer geworden. Anstatt des gewohnten Autolärms ist jetzt das leise Surren eines Hubschraubers zu hören, der die Lage aus der Luft überwacht. Trump wird wenig später zunächst mit dem Hubschrauber in New York landen und die letzten Meter in einer Autokolonne zur Arena fahren. Entlang der Strecke begrüßen ihn die New Yorker mit ausgestreckten Mittelfingern und Plakaten. Trump selbst äußert sich zu all dem zunächst nicht. In den sozialen Medien ist sein Umfeld an diesem Tag damit beschäftigt zu betonen: Der Präsident sei wahrlich nicht nur dann ein Knicks-Fan, wenn der Klub Erfolg habe, sondern schon lange. Tatsächlich war Trump in den Neunzigerjahren, lange vor seiner Zeit als Politiker, ein häufiger Gast im Madison Square Garden. Einige Aufnahmen aus dieser Zeit veröffentlichte das Weiße Haus an diesem Montag. Auf den Videos ist etwa zu sehen, wie Trump frühere Spieler abklatscht oder in eine TV-Übertragung hineinplatzt. Ein Post richtet sich dabei gegen den Demokraten Hakeem Jeffries: Der 55-Jährige, selbst im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, hatte Trump zuvor vorgeworfen, von Basketball keinerlei Ahnung zu haben. Kurz vor dem Spiel springt Adam Silver, der Liga-Boss der NBA, Trump schließlich noch zur Seite: "Eine feste Größe" sei dieser einst im Madison Square Garden gewesen, hebt Silver während einer TV-Übertragung hervor. Trump hat früher "Courtside"-Tickets besessen: Gemeint sind damit Plätze, die ebenerdig direkt hinter den Spielerbänken liegen. Dort saß er auch 1999, als die Knicks das letzte Mal das Finale der Meisterschaft erreicht hatten, aber am Ende leer ausgingen. In der Regel sind diese Karten nicht nur besonders teuer, sondern auch nur sehr prominenten Fans vorbehalten. "So läuft es im Leben" Ob Trump für seine Loge an diesem Tag etwas zahlen musste, ist nicht bekannt. Laut eigenen Angaben ist er einer Einladung vom Besitzer der Knicks, James Dolan, gefolgt. Die Aufregung um die hohen Ticketpreise könne er dagegen nicht verstehe, ließ der Präsident im Vorfeld des Spiels mitteilen: "So läuft es im Leben. Wenn das Team kein großer Erfolg wäre, könnte man einfacher hingehen." Abends zeigt sich, dass die Nachfrage für kostenlose Übertragungen in Manhattan das Angebot weit übersteigt. Ein Event im südlichen Central Park war bereits am Wochenende ausgebucht. Tickets für eine kurzfristig angekündigte zweite Übertragung in der Nähe des Times Square für fünftausend Besucher waren so nachgefragt, dass sie innerhalb weniger Minuten vergriffen waren. Rund um beide Örtlichkeiten haben sich am Abend dennoch viele Menschen zusammengefunden. Manche sind kreativ. Jemand hat einen Fernseher in den geöffneten Kofferraum gestellt. Eine Menschentraube steht drumherum und belagert den Bürgersteig, teilweise auch die Straße. Diejenigen, denen die Sicht versperrt ist, blicken auf ihr Handy. Manche haben auch einen Laptop aufgeklappt. Ein paar Straßen weiter im Central Park sind ebenfalls deutlich mehr Besucher als Ticketbesitzer zum Public Viewing gekommen. Viele von ihnen versuchen, durch die Zäune und hohen Bäume hindurch einen Blick auf die Bildschirme zu ergattern. Für eine bessere Sicht sind einige auf die Felsen im Park geklettert. Auch Jacob, dunkle Haare, kariertes Hemd, sitzt dort. Doch die Bäume nehmen ihm die Sicht. Eigentlich interessiere er sich gar nicht so sehr für Sport, sagt er: "Aber Basketball verbindet in dieser Stadt." Trump gibt sich zufrieden Er sieht daher nicht live, wie die Knicks das Spiel gegen San Antonio verlieren, er erfährt es durch die enttäuschten Ausrufe der Menschen um ihn herum. "Das ist der verdammte Trump-Fluch!", schreien zwei junge Fans von dem Felsen herunter. Für die Knicks steht es jetzt in der Serie 2:1. Auch wenn die New Yorker am Mittwoch bei einem weiteren Heimspiel gewinnen sollten, wird es für die Meisterschaft damit noch nicht reichen. Mindestens ein weiteres Spiel ist jetzt am Samstag in San Antonio angesetzt. Nur wenige Stunden zuvor wird im New Yorker Umland das erste Fußballweltmeisterschafts-Spiel zwischen Brasilien und Marokko beginnen. Im Central Park rufen Fans, der Präsident solle am Mittwoch besser nicht mehr in die NBA-Halle kommen. Bislang hat der Präsident offengelassen, ob er auch das nächste Spiel in New York besuchen will. Direkt nach dem Spiel sagte er vor Journalisten, sein Besuch sei "fantastisch" gewesen. Er glaube, er habe vor allem "lauten und sehr begeisterten Jubel" gehört. Ihm allerdings galt der Jubel nicht.


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