Verpackungsmuseum Heidelberg: "Vom Bauhaus ins Kaufhaus"
Von Heide Seele
Heidelberg. Die aktuelle Schau im Deutschen Verpackungsmuseum beschert einige "Retro-Erlebnisse", da man unter den Objekten solche Dinge entdecken kann, die manch einem von Kindheit an vertraut, aber heute nicht mehr in Gebrauch sind. Hans-Georg Böcher, Museumsdirektor und auch Vorstandsvorsitzender der bedeutenden Institution, gab in dieser Hinsicht einige wertvolle und nicht allein historisch fundierte Hinweise.
Anders als heute hatten die in der aufschlussreichen Sehofferte primär gezeigten Alltagsobjekte einst selten eine Benutzbarkeit im Auge. Sie räumten eher der Ästhetik die Priorität ein. Das ist etwa bei den Arbeiten von Lazlo Nodge zu beobachten, wird auch in den Berliner Dada-Schriften belegt und lässt sich am expressiven Duktus der Linie ablesen, den zahlreiche Bauhaus-Angehörige sorgsam pflegten.
Dem Typografischen wurde daher allemal ein hoher Stellenwert eingeräumt. Böcher verstand es gut, dem Vernissagepublikum seine Informationen zu vermitteln und erwähnte in diesem Zusammenhang auch den Vordenker Walter Gropius der, von Peter Behrens bestens ausgebildet, anno 1919 das Bauhaus gründete.
Der Museumsdirektor erinnerte daran, dass die Institution zu ihrem Beginn noch stark vom Expressionismus geprägt war und erwähnte bedeutende Personen wie zum Beispiel Herbert Beyerer, der Walter Gropius die Frau ausspannte, dazu latent antiindustriell eingestellt war und später nach Amerika auswanderte. (Er soll auch die berühmt-berüchtigte Alma Mahler gut gekannt haben, die mit Werfel, Mahler und Gropius verheiratet und als männerverschlingend bekannt war.)
In seine ebenso interessante wie kurzweilige Ansprache hatte Böcher viel kulturhistorisch Relevantes eingearbeitet, das er in einen sinnvollen Bezug zur Eröffnungsfeier zu bringen verstand. So ging er unter anderem auch dem Begriff des Typografischen nach, der seiner Definition zufolge mehr bedeutet als die Gestaltung von Druckwerken, und er rühmte das deutsche Verpackungsmuseum, das für das Jubiläum "100 Jahre Bauhaus!" geplant war und für das man jetzt vor der Ausstellung noch manches aufgekauft hatte. An den verpackten Produkten lässt sich erkennen, wie diese bestrebt waren, das "proletarische Design" zu verändern.
Gerade den älteren Besuchern der Ausstellung wird hier einiges vertraut vorkommen wie zum Beispiel die Pelikan-Schreibprodukte oder die Bahlsen-Behältnisse für Schokolade. Auch die Dunlop-Reifen dürften noch manchem im Gedächtnis haften wie vielleicht auch das Cellux-Klebeband oder die Reemtsma-Zigarette. Dies sind Déjà-vue-Begegnungen der nostalgischen Art. Steigt man die Museumstreppe hoch, sieht man sich dagegen mit aktuell-populären Objekten konfrontiert, die man auch erwerben kann.
Info: Die Bauhaus-Ausstellung im Deutschen Verpackungsmuseum Heidelberg, Hauptstraße 22, ist Mittwoch bis Freitag 13 bis 18 Uhr zu sehen und am Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.